Wie Siebenbürgen verloren ging

Rumänische Okkupation von Klausenburg/Kolozsvár, 1918. Quelle: Múlt-kor

4. Dezember, 2021 von IRÉN RAB

1861 wurden die historischen Regionen Walachei und Moldau in Gestalt des Fürstentums Rumänien erstmals zu einem Staat im modernen Sinn vereint. Dieser rumänische Nationalstaat, der zunächst unter der formalen Oberhoheit des Sultans verblieb, erreichte 1878 im Berliner Kongress die vollkommene Unabhängigkeit und versuchte – seit 1881 nunmehr als Königreich – an der Aufteilung der europäischen Teile des Osmanischen Reiches zu partizipieren. Sp bekam Rumänien auch Süd-Dobrudscha.

Im  Ersten Weltkrieg entschied sich Rumänien zunächst für eine Neutralitätspolitik, aber1916 wechselte er schließlich ins Lager der Entente-Mächte und startete eine Offensive gegen Siebenbürgen. Eine neue Dynamik entwickelte sich erst unmittelbar gegen Ende des Kriegs.

Angesichts der wachsenden Auflösungserscheinungen der Habsburgermonarchie wollten auch die Rumänen die Weichen für eine unabhängige nationale Zukunft stellen.

Rumänische Truppen besetzten daraufhin Mitte November 1918 die Bukowina, und abweichend vom Belgrader Waffenstillstandsabkommen (13. November 1918) erbaten sie die Genehmigung von Paris und von der rumänischen Regierung für ein Vordringen diesseits des Mieresch/Maros. Widerstand fanden sie nicht vor, weil die ungarischen Truppen schon demilitalisiert worden waren, so daß es keinerlei Hindernis für ihr Vordringen gebe. Die Frage der militärischen Einmischung war damit endgültig entschieden.

Der Rumänische Nationalrat bekannte sich am 20. November in einem Manifest „an die Völker der Welt“ zur Eigenstaatlichkeit und brachte dabei zum Ausdruck, daß „die Regierung mit der ganzen Macht des Staates der Unterdrücker den der rumänischen Nation billigerweise zustehenden Bestrebungen die Stirn bietet“. Gemäß den Intentionen der rumänischen Regierung wurde am folgenden Tag in einem erneuten Manifest ein Aufruf zur Abhaltung einer Nationalversammlung verkündet und außerdem die Proklamation des rumänischen Generalstabschefs anläßlich des Einmarsches seiner Truppen in Siebenbürgen mitgeteilt. Das Nationalkomitee forderte am 24. November in einem vertraulichen Rundschreiben die örtlichen Räte auf, in möglichst vielen Gemeinden

„den bedingungslosen Anschluß an das rumänische Königreich zu proklamieren, unter der Herrschaft der gegenwärtigen Dynastie“. (von Hohenzollern-Sigmaringen )

Es wurde auch ein Musterexemplar der Erklärung verschickt, mit dem Hinweis, die Erklärung in mehreren Exemplaren auszufertigen, da auch die rumänische Diplomatie sie benötige. „Somit wird eine Volksabstimmung wahrscheinlich vermeidbar sein“ – resümiert das Rundschreiben das Ziel der Aktion.

Die ungarische Regierung unternahm nichts, um die rumänische Nationalversammlung zu verhindern,

die Ungarischen Staatsbahnen setzten sogar Sonderzüge für die am 1. Dezember zur Versammlung nach Karlsburg/Gyulafehérvár/Alba Iulia anreisenden Rumänen ein.

Am 1. Dezember 1918 nahmen die 1228 Delegierten der Konferenz in Karlsburg/Gyulafehérvár an. Die Beratung wählte einen aus 200 Mitgliedern bestehenden Großen Nationalrat, in dem auch 30 Sozialdemokraten Platz fanden (neben den automatisch zu Ratsmitgliedern gewählten Bischöfen und herausragenden Vertretern der Intelligenz sowie ausgewählten reichen Bürgern).

Die rumänische Nationalversammlung verkündete die Union der Siebenbürger Rumänen mit ihren Volksgenossen in Rumänien, nachdem zuvor ein verzweifeltes letztes Angebot der ungarischen Regierung bezüglich einer Föderalisierung Ungarns abgelehnt worden war.

Die Nationale Versammlung aller Rumänen aus Transsilvanien, aus dem Banat, aus Ungarn erklärte durch ihre Vertreter am 1. Dezember 1918 ihre Einigkeit und die Einigkeit aller von Rumänen bewohnten Gebiete mit Rumänien. Die National-Versammlung proklamiert das unübertragbare Recht der rumänischen Nation auf das ganze Banat zwischen den Flüssen Marosch, Theiß und Donau. Die Nationale Versammlung verleiht diesen Gebieten provisorische Autonomie, bis der Ausschuss zur Abänderung der Verfassung zusammen kommt.

Die Nationale Versammlung proklamierte folgende Grundprinzipien für die Gründung des neuen rumänischen Staates: „Die völlige Freiheit für alle mitlebenden Völker – alle Völker werden sich in der eigenen Sprache ausbilden und verwalten und in der eigenen Sprache richterliche Entscheidungen treffen können. Jedes Volk wird das Recht haben, im Parlament und in der Regierung verhältnismäßig vertreten zu sein, Freiheit und Autonomie für alle Konfessionen im Staat.”

Die große Massenversammlung fand auf dem Burgglacis statt, auf dem die große Masse der Bauern und eine kleinere Gruppe von Arbeitern über die Resolution informiert wurden. Die Versammelten – der rumänischen Tradition nach 100.000 Menschen – nahmen die verkündete Resolution mit Andacht und einhelliger Begeisterung auf.

Am 11. Dezember 1918 anerkannte die rumänische Regierung in Bukarest unter König Ferdinand diesen Beschluss, wodurch man vollendete Tatsachen schuf, die im Vertrag von Trianon 1920 völkerrechtlich abgesichert wurden. Siebenbürgen, das Partium und die Bukowina sowie der östliche Teil des Banats wurden trotz zahlreicher ethnischer Minderheiten (Magyaren, Deutsche, Ukrainer) Rumänien zugesprochen

DerTag, 1. Dezember ist der größte Nationalfeiertag Rumäniens geworden. Sie feiern die Vereinigung Siebenbürgen mit Rumänien. Somit wurde Groß-Rumänien gegründet.

Dieser Tag ist für Ungarn ein Trauertag, der erste Schritt zum Trianon. Somit hat Rumänien 31,7 % aus dem Staatsgebiet Ungarns, insgesamt 102.813 km² bekommen.

Quellen: Arcanum und Habsburger.net

1 thought on “Wie Siebenbürgen verloren ging”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.