So ist es doch, nicht wahr!

6. Juli 2022 Mandiner von GERGELY PELYACH

Die Erfahrung von Tausend Jahren verdichtet sich in diesen paar Worten: Na also, so ist es doch, nicht wahr! Hatten wir recht? Werden wir recht haben?

Nein, nicht wegen des Anspruchs auf Schadenfreude sollen die im Titel erwähnten Worte betont werden. Es ist zwar eine Frage des Habitus, aber der aufgeklärte Mensch will nicht deshalb etwas erreichen, damit er den gegnerischen Standpunkt untergräbt, sondern weil er glaubt, dass seine Überzeugung unsere gemeinsamen Angelegenheiten vorwärtsbringt.

Aber doch, wenn die These stimmt, wonach die Sprache ein Teil der Kultur ist – und sogar ihr stabilster Haltepfeiler, der auch ein Paravent, aber auch ein Vergrößerungsglas der hinter uns gelassenen Jahrhunderte ist -, dann gibt es eine Ursache, warum die Ungarn den Ausdruck „na ugye“ (Aussprache: na udje) für sich erschaffen haben. Die Erfahrung von Tausend Jahren verdichtet sich in diesen paar Worten: Na also, so ist es doch, nicht wahr!

Zuletzt tauchte dieser Ausspruch auf, womit man die entsprechende Botschaft Richtung Westen senden kann, als die ausgepfiffene Nationalelf auf dem schönen grünen englischen Rasen Geschichte schrieb.  Die Briten jedoch kennen diese Ausdrucksweise nicht. In so frappierender Einfachheit auf jeden Fall gar nicht.

Denn sie hatten in der Geschichte nicht das Recht auf ihrer Seite, sondern die Kraft, damit sie ihr Recht durchsetzen konnten.

Damit kann aber eine Sprache nichts anfangen. Sie schweigt dazu lieber. Möglicherweise lässt sie ihre Nutzer in die Knie gehen… Der Erdkreis wiederum kann sich gar nicht so drehen, dass der Westwind die Anerkennung irgendeiner mittel-osteuropäischen Idee bringen würde, ob sie funktionsfähig wäre, oder ob sie die einzige Chance für die Handhabung eines Problems darstellen würde.

Genauer gesagt: in unserer Zeit kann die auf der Basis der nationalen Interessen stehende, ungarische Regierung nie recht haben!

Die ungarische Regierung kann nicht recht haben,

  • wenn sie um eine Abweichung von den Sanktionen auf das durch die Rohrleitung gelieferte russische Öl bittet. Im Gegensatz dazu kann der amerikanische Sender CNN mit der größten Selbstverständlichkeit recht haben, wenn man dort analysiert, dass sich das Ölembargo als nicht funktionsfähig erweist.
  • wenn sie erklärt, dass sie nicht bereit ist über ein mögliches Gasembargo zu verhandeln. Jeder sollte sich wiederum schämen, der den Standpunkt der französischen Energiewirtschaft in Frage stellt, wenn sie ausrechnet, dass sie ohne das russische Gas die Ansprüche der französischen Industrie und Bevölkerung nicht befriedigen kann.
  • wenn der ungarische Regierungschef im Parlament ableitet, dass die Händler eine Absenkung der Mehrwertsteuer verschwinden lassen würden und dass man nur mit Preisobergrenzen die Ungarn vor einer unaufhaltsamen Teuerung schützen kann. Aber wer wäre so ein Dummkopf, der die Kompetenz der G7-Regierungschefs mit Fragezeichen versehen würde, wenn sie über die Einführung von Preisstopps nachdenken?
  • wenn sie einen Grenzzaun errichten lässt, die über mehreren sicheren Ländern bis nach Röszke (ungarische Grenzstation bei Serbien) marschierenden Massen nicht als Flüchtlinge betrachtet, aber die Tore des Landes weit für die aus dem Nachbarland Ukraine ankommenden Familien ohne Weiteres öffnet. Während dessen wird die britische Regierung, wenn sie nicht aufpasst, mit dem Mühlstein der Weisen in der Themse versenkt, weil sie mit Flugzeugen die illegalen Migranten in ihre Heimatländer zurückbringen lässt.

So stehen wir mit unserem Recht an der Stelle der Welt, wohin der Himmel uns verpflanzt hat. Es wäre ein schwacher Trost uns auf die eigene Schulter zu klopfen, wenn währenddessen der gegen den Abgrund taumelnde „Westen“ das andere Ende des Seils an unseren Fuß bindet. Selbst wenn es wahr ist, dass Ungarn im letzten Jahrzehnt die bedeutendste Produktionsentwicklung der letzten 100 Jahre hervorbrachte, könnte das Land vorerst trotzdem den unbeholfenen Körper von London, Paris und hauptsächlich von Berlin nicht tragen.

Täglich widersprechen sich die immer wieder neuen westlichen Parolen der Realität, angefangen mit der Überschätzung der Widerstandsfähigkeit der Ukraine bis zu den weit geöffneten Augen von Ursula von Leyen,

die die Beteuerungen über die sofortige Wirkung der Strafmaßnahmen zu vergessen scheint und zuletzt den Sinn des sechsten Sanktionspakets nur damit retten konnte, dass sie betonte: „Die Wirtschaft Russlands geht langsam, aber sicher dem Verfall entgegen.“

Leider haben die Wirtschaften der Europäischen Gemeinschaft nicht die Muße solange zu warten, bis Moskau den Staatsbankrott erklärt, so dass sie genötigt sein werden, die Ratschläge von Henry Kissinger, der bereits stürmischere Jahrzehnte in der Weltpolitik im Gegensatz zu irgendjemanden von den gegenwärtigen Führern an einem der schlechtesten Tage ihres Lebens erlebte, zu beherzigen. Der frühere amerikanische Außenminister

will die Angreifer nicht freisprechen und behauptet auch nicht, dass Moskau kein Aggressor in dieser Situation wäre, aber er macht darauf aufmerksam, dass man Russland nicht vollständig isolieren und ihm keine vernichtende Niederlage zuführen kann.

Er versteht auch, dass Deutschland zum Beispiel schwerlich eine erneute führende Rolle in der Aufrüstung der europäischen Streitmacht spielen oder sich an die Spitze dieser Entwicklung stellen kann, aber wenn wir die gezeigte Schwäche der deutschen Politik auf diesem Gebiet sehen, dann müssen wir annehmen, dass nicht nur der Wille, sondern auch die Fähigkeit den Damen und Herren in Berlin fehlt.

Sie sind nicht in der Lage ihre eigenen ideologischen Schlachtfelder zu verlassen, sich aus der Selfi-Demokratie des Jahres 2015 zu lösen, das Fiasko ihrer sogenannten grünen Politik einzugestehen, oder sich gar zu der christlichen Existenz als den Grundpfeiler der europäischen Geschichte zu bekennen.  Auch dabei bedeutet keinen Trost zu wissen, dass es nur noch in Ungarn Kirchentürme geben wird, von wo die Glocken dann verkünden:

„Na also, so ist es doch, nicht wahr?

Autor, Gergely Pelyach ist Chefredakteur der Radiosendung „Karc FM“

Der vollständige Text MAGYARUL: https://mandiner.hu/cikk/20220703_na_ugye

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