Mut verloren, alles verloren – Abschied von Michail Gorbatschow

5. September 2022, Látószögblog von MÁRIA SCHMIDT

Wenn der Mut verloren geht, ist alles verloren.

Michail Sergejewitsch Gorbatschow, der letzte Generalsekretär der Kommunistischen (bolschewistischen) Partei der Sowjetunion und zugleich der letzte Präsident der Sowjetunion, ist im Alter von 91 Jahren gestorben.

Seine Beerdigung fand am 3. September 2022 in Moskau auf dem Nowodewitschi-Friedhof statt, wo auch seine Frau beigesetzt ist. Der russische Staat organisierte kein offizielles Staatsbegräbnis für ihn, aber er erhielt militärische Ehren und sein offener Sarg wurde, wie üblich, im Haus der Gewerkschaften in der Nähe des Roten Platzes aufgebahrt.

Als die Spitzenpolitiker der Sowjetunion verstarben, traten sich die Führer der westlichen Welt vor ihren aufgebahrten Särgen auf die Füße, um zu zeigen, dass sie die Verstorbenen als würdige Gegner oder vielmehr Feinde betrachteten, die auch im Tod respektiert wurden. Dies war bei Gorbatschow nicht der Fall.

Als Gorbatschow noch lebte, war er der „Darling“ des Westens. Weil er dem Westen zu einem leichten Sieg im Kalten Krieg verholfen hatte. Denn er hat eine Reihe von einseitigen Gesten gemacht, in der Hoffnung, dass die Amerikaner und der „fortschrittliche Westen“ diese erwidern würden. Mit der wohlwollenden Zuversicht eines provinziellen Naivlings

zog er seine Besatzungstruppen aus unserer Region ab, stimmte der deutschen Einheit und der daraus resultierenden Mitgliedschaft des alten-neuen Deutschlands in der NATO zu.

Er fiel auf die Spitzenpolitiker des Westens herein und sie revanchierten sich, indem sie ihm in ihren Medien schmeichelten und ihn mit dem bedeutungslosen Friedensnobelpreis (1990) auszeichneten.

Wie sehr er ignoriert wurde, zeigte sich mehr denn je bei seiner Beerdigung am Samstag, an der außer dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán kein ausländischer Spitzenpolitiker teilnahm. Die Russen haben jedoch wahrscheinlich deswegen kein Staatsbegräbnis für den Verstorbenen organisiert, damit ausländische Staatsoberhäupter, die zur Beerdigung angereist wären, nicht in die unangenehme Lage kamen, mit ihren russischen Amtskollegen zusammentreffen und interagieren zu müssen.

Viktor Orbán, der antikommunistische Freiheitskämpfer, der 1989 am 16. Juni 1989 bei der feierlichen Umbettung von Imre Nagy und seinen Märtyrerkollegen die damals noch intakte Sowjetunion öffentlich aufforderte, ihre Besatzungsarmee aus Ungarn abzuziehen und demokratische Wahlen zuzulassen, verneigte sich am Grab von Gorbatschow und dankte ihm und seiner Familie im Namen unseres Landes dafür, dass sie damals nicht auf die Menschen geschossen, die sowjetischen Truppen aus unserem Land abgezogen und damit unsere Freiheit und Unabhängigkeit wiederhergestellt haben.

Kein anderer Staatschef aus der Region oder vom Westen hat ihm die gleiche Ehre erwiesen!

Weder Amerikaner noch Europäer ehrten den Verstorbenen, der einst als ihr „Held“ galt, mit ihrer Anwesenheit. Besonders auffällig ist, dass kein einziger deutscher Politiker Gorbatschow seinen Dank aussprach, obwohl ohne ihn Deutschland noch heute geteilt wäre.

Da es jedoch so etwas wie ein Deutschland heute nicht mehr gibt, gibt es dort offenbar auch keine Anführer mehr. Es gibt zwar Leute, die sich Staatspräsident, Bundeskanzler oder Außenminister nennen, aber das sollte niemanden täuschen. Jedem ist seit langem klar, dass sie niemanden, außer sich selbst, vertreten.

Der Tag der Beerdigung machte deutlich, dass die neue Religion der Deutschen die Feigheit ist.

Ihre Spitzenpolitiker sind feige, undankbar, unkultiviert und respektlos. Sie haben sich von der europäischen Kultur abgekapselt, sie sind gesichtslose Niemande. Und Teile der deutschen Bevölkerung tolerieren sie nicht nur, sie folgen ihnen.

Man sollte also den Deutschen keine Gesten oder Gefallen tun, denn sie schätzen sie nicht und werden sie nicht erwidern! Sie sind undankbar und schamlos.

Autorin, Dr. Mária Schmidt ist Historikerin, Gereneraldirektorin des Terrorhaus-Museums in Budapest

Deutsche Übersetzung: Dr. Andrea Martin

MAGYARUL: https://latoszogblog.hu/aktualis/halatlanok-szegyentelenek/

1 thought on “Mut verloren, alles verloren – Abschied von Michail Gorbatschow”

  1. “ … Es gibt zwar Leute, die sich Staatspräsident, Bundeskanzler oder Außenminister nennen, aber das sollte niemanden täuschen. Jedem ist seit langem klar, dass sie niemanden, außer sich selbst, vertreten.

    Der Tag der Beerdigung machte deutlich, dass die neue Religion der Deutschen die Feigheit ist.

    Ihre Spitzenpolitiker sind feige, undankbar, unkultiviert und respektlos. Sie haben sich von der europäischen Kultur abgekapselt, sie sind gesichtslose Niemande. …“ Besser kann das nicht ausgedrückt werden.

    Ein großen Dank an Herrn Ministerpräsidenten Orbán. Tja – die Ungarn wissen, was sich gehört.

    Die Ampelregierung sollte sich schämen. Hatte wohl Stromausfall …

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