Quo vadis, Europa?

  1. November 2021 Gastbeitrag von GÁBOR BAYOR

Betrachtet man die heutigen westlichen Gesellschaften – wobei ich auch aus eigener Erfahrung am genauesten von der deutschen sprechen kann -, so fällt einem die Veränderung, die seit den 60-er Jahren vonstattenging, auf. Die 68-er haben den Marsch durch die Institutionen geschafft und auch ihre Kinder und Nachfolger entsprechend erzogen. Die ursprünglichen Werte eines bürgerlichen Milieus sind mehr oder weniger mit Erfolg bekämpft, abgeschafft oder in den Hintergrund gedrängt worden. Der frei gewordene Platz wird nun von der „multikulti“ Gesellschaft eingenommen, in der man theoretisch ohne Zwänge und Beschränkungen leben kann. Zumindest so lange, bis man mit der Meinung der Medien und der Politiker und der manipulierten Mehrheit übereinstimmt.

Sonst wird man als ein Ewiggestriger, als Nazi, als Nationalist und Populist angesehen, beschimpft und mit allen Mitteln bekämpft.

Als Grundlage für dieses gesellschaftliche Modell dient der Wohlstand, der der Mehrheit einen gesicherten existentiellen Status sichert und damit die intellektuelle Fähigkeit zum Nachdenken und den gesunden Menschenverstand walten zu lassen, durch die Verweichlichung einschränkt. Die Frage ist aber, wie lange die materielle Befriedigung die Massen gewährleistet werden kann. Falls diese nämlich verloren geht, ist der gesellschaftliche Frieden plötzlich in Gefahr.

Dieses Kernproblem beschäftigt aber anscheinend niemanden, denn nach dem Motto „carpe diem“ leben wir im Jetzt und Heute. Es gibt zwar gewisse Probleme mit dem Klima, mit der Pandemie, mit den undurchsichtigen politischen Verhältnissen, aber im Moment hat man scheinbar alles im Griff. Die Medien suggerieren zwar die ständige Katastrophe, doch tiefergehende Konsequenzen folgen daraus nicht. Die Menschen haben sich daran gewöhnt, dass es in den Nachrichten irgendwelche Erdbeben, Vulkanausbrüche, Wirbelstürme, Überschwemmungen, Verbrechen aller Art etc. geschehen. Und auch daran, dass diese Medien die Meinungsbildung beherrschen. Sie fühlen sich neben der Exekutive, Legislative und Judikative als vierte Gewalt im Staat und wollen neben der Meinungshoheit auch die Richtung in der Politik vorgeben. Es besteht Meinungsfreiheit, das Problem ist aber, dass diese Freiheit nur für bestimmte Meinungen frei ist.

Was soll man davon halten, wenn in der ARD, eine öffentlich-rechtliche Fernseh- und Rundfunkanstalt, 92 % der dort arbeitenden Journalisten einem rot-rot-grünen politischen Spektrum zugeordnet werden können?

Es ist nicht zu erwarten, dass eine Meinungsbildung, die vom Konservatismus geprägt wird, ausgewogen dargestellt wird.

Die Beeinflussung des Weltbildes der Bürger geht bis ins Detail, wenn wir z.B. die Gendersprache oder den großzügigen Umgang mit Andersgeschlechtlichen im Blick haben. Selbst solche Auswüchse kommen vor, die in dem Sprachgebrauch die Endung „-ing“ abschaffen wollen, weil so etwas die „Sprachsensiblen“ stört. Man sollte z.B. statt Lehrling das Wort „der Lernende“ benutzen. Nein, das ist kein Witz, darüber las ich einen Artikel in meiner regionalen Tageszeitung. Eine Nabelschau ohne gleichen.     

Mit anderen Worten, man fühlt sich in dieser Gesellschaft nicht mehr zu Hause.

Als einem normalen Menschen wird vorgeworfen, der größte Klimasünder zu sein, obwohl man bescheiden lebt und nicht ständig in den Flieger zum Urlaubmachen steigt. Dass man für diesen Staat mit seinen Steuern die Grundlagen schafft, wird nicht anerkannt, sondern es wird immer mehr gefordert. Die erbrachte Leistung z.B. drei Kinder großgezogen und ihre Ausbildung finanziert zu haben, ist nicht erwähnenswert, darauf kann man nicht sich nichts einbilden, aber dafür auf die geschlechtliche Andersartigkeit, was man auf sog. „Pride“ (=stolzen) Aufmärschen zelebriert. Die jungen Leute werden in den Himmel gehoben, wenn sie freitags nicht in die Schule, sondern auf Demonstration wegen der Klimaerwärmung gehen. Auch wenn sie gegen Kohleabbau und Kohlekraftwerke demonstrieren ist das in Ordnung. Ihre Eltern gingen gegen die Atomkraftwerke oder atomaren Brennelementen-transporte auf die Barrikaden. Nicht effektive Windräder in den Wald zu stellen, riesige Solaranlage in das „tropische“ Land Deutschland zu bauen, ist dagegen selbstverständlich eine prima Idee und zukunftsweisend. Selbstverständlich werden auf der Frankfurter Buchmesse die Bücher besonders empfohlen und prämiert, die mit der Unterdrückung der Frau, der Diskriminierung von dunkelhäutigen oder auch homosexuellen Menschen beschäftigen. Prominente Autoren mit Migrationshintergrund haben ihre Teilnahme abgesagt, weil es auch einem Verlag mit angeblich rechtsextremem Hintergrund erstaunlicherweise die Ausstellung seiner Bücher erlaubt wurde.

Es sind nur einige willkürlich ausgewählten Beispiele, die aber recht deutlich zeigen, in welche Richtung der Zug fährt. Wer weiß, welche Einfälle noch in den kommenden Jahren ausgedacht werden.

Es ist also nicht verwunderlich, wenn mancher Deutsche, besonders im Rentenalter, überlegt, Deutschland den Rücken zu kehren und sich in Ungarn niederzulassen. In diesem Land scheint die Welt noch in Ordnung zu sein, die Lebenshaltungskosten sind niedrig, das Wetter angenehmer, die Leute freundlich. Die Regierung sorgt für Stabilität, es gibt keine Migration, die wirtschaftliche Lage ist auch gut etc. Doch Achtung!

Auch in Ungarn wirkt das westliche Virus schon. Die Opposition kämpft vereint als Zusammenschluss von den extremen Linken bis zu den extremen Rechten gegen die Regierung von Viktor Orbán.

Abgesehen von den linken Wählern mit kommunistischer Überzeugung und von denen, die aus unerklärlichen Gründen einen Hass auf die Person Orbáns haben, gibt es viele Leute, die sich durch die Propaganda der Europäischen Union als Bürger zweiter Klasse auf dem Kontinent fühlen und der Politik der ungarischen Regierung die Schuld geben. Sie glauben, wenn sie die propagierten, dekadenten Werte der westlichen Länder übernehmen, dann werden sie als gleichwertige Mitglieder der Staatengemeinschaft akzeptiert. Etwa die Hälfte der Wählerschaft denkt so und die Gefahr besteht, dass sie im Frühjahr 2022 ihre Stimme dem Oppositionsbündnis geben werden. Noch dazu, wo jetzt ein quasi Konservativer in der Person von Márki-Zay auf den Schild der Orbán-Gegner gehoben wurde. Die Nichtinformierten könnten meinen, dass er als Brückenbauer fungieren würde. So wird er bereits von den westlichen Medien gefeiert, was schon per se einem verdächtig vorkommen muss.

Ein Trugschluss: schließlich liegt das Interesse der europäischen westlichen Staaten und auch der USA darin, keine unangenehmen, gegen ihre Politik gerichteten Störenfriede in der Union zu haben. Sie glauben, die Wahrheit mit der Muttermilch getrunken zu haben und jeden über die Demokratie belehren zu dürfen. Die Union wäre eine Wertegemeinschaft. Aber was für Werte meinen sie? Solche, die ich oben geschildert habe? Wenigstens eine Definition dieser Werte wäre angebracht, wenn man sich schon darauf beruft und nicht nebulös herumschwadroniert. Dann könnte man sagen, jawohl, wir verstehen uns, das ist auch unsere Einstellung oder auch nicht. Aber

wenn man nur Begriffe ohne konkrete Erläuterung in den Raum wirft, dann sind die Interpretationsmöglichkeiten breit gefächert und für allerlei ideologische Argumentation gut.

Doch auch durch einen Regierungswechsel in Ungarn oder auch in Polen würde sich nicht viel ändern. Nach Ansicht der westlichen Regierungen sind diese Länder gute Absatzmärkte für ihre Wirtschaft, wo noch dazu mit billigen Arbeitskräften produziert werden kann. Sie -also der Westen – bringen ihnen die Prosperität, sie müssen mit ihrer demokratischen Ordnung als Vorbilder gelten, ihrer Ansicht nach ist die Befreiung vom kommunistischen System ihnen zu verdanken und das Totschlagargument: sie finanzieren aus der EU-Kasse diese Staaten. Daher sollten die östlichen Länder dankbar sein, wenn sie von den „großen Brüdern“ überhaupt angehört werden und sie sollten ihnen Folge leisten.

Viele konservativ eingestellte Menschen in Europa erhoffen durch die östlichen Länder eine Erneuerung der Union.

Doch auch da ist Vorsicht geboten. Selbst durch wohlplatzierte Manipulationen von Nachrichten kurz vor den Wahlen – wie es kürzlich in Tschechien geschah – lässt sich ein Wechsel der Regierung mit gefügigeren Leuten erreichen, wodurch solche Erwartungen schnell in der Schublade landen können. Man muss nicht gleich an Computerhäcker aus Russland oder China denken.

Wenn wir die Situation mit geschichtlichen Beispielen vergleichen, so können wir sagen, dass die westlichen Kulturen dem Niedergang entgegengehen. Wer an ihre Stelle treten wird, ist augenblicklich noch nicht auszumachen. Auf jeden Fall ist es interessant, der arabisch-muslimischen Welt eine erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken, da sie durch die Migration eine Unterwanderung der Kultur mit jüdisch-christlichen Wurzeln erreichen kann.

Gott sei Dank ist die Zukunft aber nicht voraussehbar.

Daher sollten wir unsere Hoffnung nicht verlieren, dass der gesunde Menschenverstand letztendlich die Oberhand gewinnt und die europäischen Politiker zur Vernunft kommen.

Die Präsidentschaftswahlen in Frankreich im nächsten Frühjahr werden in gewisser Weise ein Vorzeichen sein. Aber auch die in April anstehende Wahlen in Ungarn spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Deshalb sollten alle vernünftigen Menschen in Europa Viktor Orbán unterstützen und ihm den Rücken stärken.  

Autor, Dr. Gábor Bayor lebt seit über 50 Jahren in Deutschland

Bildquelle: Welt

3 thoughts on “Quo vadis, Europa?”

  1. Und natürlich gebe es noch unzählige Beispiele der westlichen Dekadenz, die m.E. irreversibel ist. Die Zerstörung der konservativen Werte durch die geplante linke Gehirnwäsche ist eben ein erbärmliches Versagen der Bürgerlichen, die sich in einer Human-und Toleranzverblödung manifestiert. Als österr. Patriot bleibt mir nur die Hoffnung, dass es wenigstens der “Osten (V4) schafft, die Zerstörung des christlichen Abendlandes zu stoppen und eine Wende hin zu den wirklichen Werten des Lebens zu schaffen. Die Alternative ist einzig die Islamisierung und damit das Ende unserer europäischen christlichen Kultur. Hoch lebe Orban und Ungarn.

  2. Eine kleine Richtigstellung. Es ist wahr, dass die grosse Mehrheit deutscher Journalisten eher links zu verorten ist. Aber die erwähnten 92% sind dann doch etwas zu hoch gegriffen. Die neuerdings veröffentlichten 92% sind nämlich ein Ergebnis von Umfragen bei Volontären, also bei den Journalisten der Zukunft, welche heute in der Ausbildung sind. Gute Aussichten.

  3. Besser als Herr Dr. Bayor hätte ich als konservativer Stammdeutscher, der vor gut 69 Jahren in Bayern geboren wurde, nicht formulieren können, woran ich leide, wenn ich wahrnehme, wie sich mein Heimatland seit mehr als 20 Jahren verändert hat. Kennzeichnend dafür ist, daß zwar die rotgrüne Regierung Schröder/Fischer seit 1998 die Grundlinien dafür vorgegeben hat. Doch diese Agenda hat in vollem Umfang erst eine Kanzlerin exekutiert, die sich zuvor als als Konservative empfohlen hatte. Es ist gut denkbar, daß globalistische Eliten jetzt in Ungarn mit der Kandidatur von Herrn Márki-Zay dieselbe Taktik anwenden wollen wie seit 2005 in Deutschland. Gott schütze Ungarn davor, daß sie Eerfolg haben!

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