Von den Sachsen und den Ungarn

Protest am 16. Oktober 1989 in Leipzig mit 120 000 Teilnehmern (Bildquelle Bayern1)

4. November 2022 PI-NEWS  von CONNY AXEL MEIER

Diesem Artikel ging eine Anfrage an den Autor seitens der Redaktion eines sich selbst als „oppositionell“ gebenden, regionalen Zwei-Montagsmagazins voraus. Sie wünschten sich von  ihr einen Artikel über die ungarische Politik, der die sächsischen Leser nicht zum Auswandern nach Ungarn verleiten solle. Der Artikel solle daher dezidiert ungarnkritisch sein. Obiger Artikel wurde dann von den Herausgebern dankend abgelehnt, weil er nicht kritisch genaug sei.

„Macht doch euren Dreck aleene“ (wird Friedrich August III. von Sachsen zugeschrieben) Warum die Sachsen? Nun, meine Vorfahren väterlicherseits stammen aus Sachsen, besser gesagt aus dem Erzgebirge. Als zehnjähriges Kind lernte ich meine „in der Zone“ lebenden Großeltern und auch noch meinen Urgroßvater kennen. Meine Tante erhielt für sie selbst und mich eine Einreisegenehmigung. Nach unzähligen vergeblichen Versuchen. Endlich!

Die Reise mit dem Bummelzug über Hof an die Grenze. Dann die Grenze. Es dauerte eine Ewigkeit. Pass-, Einreisepapier- und Gepäckkontrolle. „Mochen se mol den Koffer uff.“ Es blieb mir im Gedächtnis hängen. Das selbe Gefühl später noch, als ich mehrmals im Transit nach Berlin, besser gesagt „Westberlin“, fuhr. „Mochen se mol den Kofferoum uff.“ Und jedes Mal bei der Rückreise auf westdeutsches Terrain, nach der Grenzkontrolle, fiel mir der Mühlstein, der sich um meinen Hals gelegt hatte, spürbar krachend auf den Asphaltboden. Bis auf einmal. Da geriet ich in den Fleischwolf der Stasi. Aber das ist eine andere Geschichte. Das Gefühl mit dem Mühlstein erfahre ich heute wieder, wenn ich die bundesdeutsche Grenze hinter mir lasse, auf dem Weg in meine neue Heimat, nach Ungarn.

Aber nun zu den Sachsen. Es gibt in Deutschland wohl kein liebenswerteres und humorvolleres Volk als die Sachsen. Allein die Witze, die im privaten Kreis über Ulbricht und „Genossen“ erzählt wurden, zu sammeln, würde jeden Historiker überfordern.

Und hier kommt der rebellische Geist der Sachsen, der sich über viele Generationen erhalten hat, zum Vorschein. Sie haben das Blutgericht von Verden an der Aller im Jahr 782 überlebt, haben den Mächtigen getrotzt, alle Katastrophen überstanden, Kriege gewonnen und verloren, den Kommunisten heimlich getrotzt, standen 1989 dichtgedrängt auf dem Gelände der deutschen Botschaft in Prag und sind montags zu Tausenden in den Städten Sachsens „spazieren“ gegangen.

Sie haben Honecker, Krenz und Modrow in die Wüste geschickt und sind mit dem Trabi von Ungarn aus über Österreich „in den Westen“ geflüchtet und dort euphorisch empfangen worden.

Wie die Sachsen waren die Ungarn immer ein freiheitsliebendes Volk

Womit wir bei Ungarn wären. Es gibt historische, aber auch aktuelle Parallelen zwischen Ungarn und Sachsen.

Ungarn kämpft seit der Zeit König Stephans über 1000 Jahre lang um sein Überleben und seine staatliche Souveränität. Sie haben die barbarischen Mongolen, die mohammedanischen Eroberer, das Zarenreich, die österreichische Vorherrschaft, die Nationalsozialisten und letztlich auch die Kommunisten überlebt.

Analog zu den Sachsen waren die Ungarn immer ein freiheitsliebendes Volk. 1948/49 (die niedergeschlagene Revolution), 1920 (der Diktatfrieden von Trianon, der Ungarn auf ein Drittel seiner früheren Größe reduzierte), 1956 (der Volksaufstand) und 1989 sind die markantesten Daten der jüngeren ungarischen Geschichte. Viele Ungarn haben deutsche Vorfahren. Man denke beispielsweise an die Siebenbürger Sachsen. Zusammen mit den anderen deutschsprachigen Ungarn, wie den Donauschwaben, wurden sie von den Kommunisten vertrieben. Der 19. Januar ist heute ungarischer Gedenktag, an dem dem Unrecht der Vertreibung der Deutschen gedacht wird. Womit wir wieder bei den Gemeinsamkeiten wären.

Als Viktor Orbàn, damals noch als Student, auf dem Budapester Heldenplatz am 16. Juni 1989 seine historische Rede hielt und den Abzug der sowjetischen Besatzer forderte, in deren Panzerkanonen er direkt schauen konnte, war an den Erfolg der Montagsdemonstrationen in Leipzig, Dresden und anderen sächsischen Städten im Oktober des gleichen Jahres kaum zu denken. Der von sowjetischen Panzern niedergeschlagene Aufstand 1956 war in Ungarn noch in frischer Erinnerung.

Dennoch wurde das erste Loch in den Eisernen Vorhang nicht zufällig in Ungarn gehauen.

Viktor Orbàn konnte damals auch nicht ahnen, dass er 33 Jahre später seine fünfte Amtszeit als demokratisch gewählter Ministerpräsident antritt.

Das ungarische Volk hat 1989 an den Freiheitskrieg von 1848 und 1956, diesmal siegreich und ohne Waffen, angeknüpft. Monate später führte der Freiheitsdrang der Sachsen zum Sturz der Kommunisten, der 1953 noch nicht gelang und in der Folge zur Wiedergründung des Freistaats Sachsen. Der Freiheitsdrang der Sachsen und der Ungarn ist in deren kollektiven Unterbewusstsein verankert, sozusagen in deren DNA. Das ist die Voraussetzung dafür, die Souveränität nicht nur zu bewahren, sondern im Fall des Verlustes auch ständig wieder aufs Neue zu erkämpfen. Über viele Generationen hinweg.

Schutz der traditionellen Familie steht in ungarischer Politik ganz oben

Die Souveränität der Ungarn fußt im Wesentlichen auf fünf Pfeilern: Der Familie, der Nation, der Kultur, der Geschichte und der Sprache. Das sind die Grundlagen für die Staatlichkeit eines Volkes. Deswegen steht der Schutz der traditionellen Familie in der ungarischen Politik ganz oben. Ohne intakte Familien keine Nation. Das wird natürlich von der Europäischen Union (EU) als Affront angesehen, die aktiv Familien und Nationen bekämpft und deren Auflösung vorantreibt.

Ungarn strebt dagegen ein Europa der Vaterländer an, also kein „Vereintes Europa“, wie es in Brüssel und Berlin vorangetrieben wird. Ungarn setzt auf Zusammenarbeit der europäischen Länder

und ist Teil der Visegràd-Staaten (V4), bestehend aus Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn. Es beteiligt sich an der Drei-Meeres-Initiative und baut außenpolitisch auf rationale und gute Beziehungen zu allen Ländern, auch zu China und zu Russland.

Diese störrische Rolle, die Ungarn in Europa spielt, wäre für Sachsen innerhalb Deutschlands wünschenswert. Leider hat die derzeitige Landesregierung diese Chance verpasst.

Die Bundesrepublik Deutschland und auch die EU stehen vor einem von ihnen selbst angerichteten Scherbenhaufen. Politische Dilettanten geben den Ton an und dem Ganzen den Rest. Was passiert danach? Wer räumt die Scherben weg? Wer baut Neues auf? Hier hätten die sturmerprobten Sachsen die Möglichkeit, eine Vorreiterrolle zu spielen,

wenn sie sich denn vom rotgrünen Gift befreien können und die Energiewende-Fuzzis mitsamt den Gendergestörten und den Teddybär-Werfern dorthin schicken, wo sie keinen Schaden mehr anrichten können.

Wohin? Man denke nur an den Slogan der Leipziger Montagsdemonstranten: „Bonzen in die Produktion“. Heute würde man sagen: „In die Pedale treten für grünen Strom“.

Ungarische „alternative Medien“ gibt es nicht und sind auch nicht notwendig

Die Ungarn sind da schon einen Schritt weiter. Der Neubau von Vogelschreddern, die die Landschaft verschandeln, ist verboten. Das Kernkraftwerk Paks wird derzeit mit zwei Kraftwerks-Blöcken erweitert. Ungarische „alternative Medien“ gibt es nicht und sind auch nicht notwendig, weil es im Gegensatz zu dem, was andernorts behauptet wird,

in Ungarn eine vielseitige Medienlandschaft gibt. Es kommt jede politische Meinung zu Wort, sei sie noch so abwegig. Jeder kann ungestört, für oder gegen was auch immer, unbehelligt demonstrieren oder sich mit Gleichgesinnten in Lokalitäten treffen,

ohne dass Polizei, Gerichte oder die „SAntifa“ das zu verhindern versuchen. Frauen können auch nachts, ohne Belästigung durch „Kulturbereicherer“, alleine unterwegs sein.

Ungarn ist ein Land, das sich gegen ungeregelte Migration wehrt und illegale Migranten im Süden durch hohe Grenzbefestigungen abwehrt. Mohammedanische Invasoren sind schlichtweg unerwünscht. Keine Mohammedaner, keine Moscheen, keinen Tschador. Basta.

Eine Grenzschutzpolizei wurde neu geschaffen, um Polizei und Militär personell zu entlasten. Und falls doch irgendjemand unbedingt einen Asylantrag stellen will, so kann er das wahlweise im Heimatland oder in Belgrad in der ungarischen Botschaft tun und die Entscheidung darüber dort abwarten. Im laufenden Jahr 2022 wurden im Durchschnitt monatlich fünf (!) Asylanträge gestellt. Wie viele davon bewilligt wurden? Ich weiß es nicht.

Ungarn sind mehrheitlich mit der Politik der Regierung zufrieden

Dafür sind in diesem Jahr bis jetzt schon über eine Million ukrainische Kriegsflüchtlinge nach Ungarn gekommen. Die meisten sind weitergereist. Diejenigen, die blieben, erhielten keine dauerhafte staatliche Unterstützung, sondern erhielten Arbeitsplätze. Da in Ungarn Vollbeschäftigung herrscht und viele Arbeitsplätze unbesetzt sind, ist das recht geräuschlos abgelaufen. Ein Teil der ukrainischen Kriegsflüchtlinge sind zudem ethnische Ungarn aus dem angrenzenden Transkarpatien, was es allen Beteiligten leichter gemacht hat. „Arabische Ukrainer“ ohne gültige Papiere wurden nicht ins Land gelassen.

Am 3. April fanden in Ungarn bekanntlich Parlamentswahlen statt.

Trotz massiver Einmischung seitens US-amerikanischer Geldgeber, sogenannter NGOs, linker EU-Institutionen, von Soros-Agenten und der versammelten linken Medienfront, hat die konservative FIDESZ-Partei unter Führung des Ministerpräsidenten Viktor Orbàn die Wahlen deutlich gewonnen

und verfügt im Parlament zum vierten Mal hintereinander über die Zweidrittelmehrheit. Etwas, wovon demokratische Parteien in anderen Ländern nur träumen können. Eine nennenswerte grüne Partei gibt es im Parlament nicht. Die Enttäuschung über das Wahlergebnis stand den westeuropäischen Politikern und Medienschaffenden ins Gesicht geschrieben. Die Reaktionen in den Redaktionsstuben reichten von ohrenbetäubendem Schweigen bis hin zu ungezügeltem Orbàn-Hass. Peinlich!

Die Ungarn sind mehrheitlich mit der Politik der Regierung zufrieden. Das passt den Eurokraten nicht. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat schon mit „Instrumenten“ gedroht, die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Katarina Barley, will Ungarn „aushungern“ und der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte will Ungarn „in die Knie zwingen“.

Ungarn lehnt Waffenlieferungen und Militärtransporte über sein Territorium in die Ukraine ab. Es lehnt auch Sanktionen im Energiebereich gegen Russland strikt ab. Ungarn will keinen Transgender-Unterricht an öffentlichen Schulen, braucht auch keine Gender-Studienplätze,

keine Gleichstellungsbeauftragte in jedem Katasteramt und keinen staatlichen „Kampf gegen Rechts“: Im Gegenteil, man kann seine Meinung öffentlich äußern, ohne von einer Sprachpolizei behelligt zu werden.

Volksbefragung zum Thema Sanktionen

Demnächst findet in Ungarn eine Volksbefragung zum Thema Sanktionen statt. Die Bürger können sich dazu äußern, ob die bestehenden Sanktionen fortgeführt werden sollen oder nicht. Das Ergebnis ist vorhersehbar, aber nicht bindend für die Regierung, allenfalls ein weiterer Trumpf bei den Verhandlungen mit der EU, die Ungarn derzeit deren zustehende Gelder in Milliardenhöhe verweigert. Das alles nur, weil die Ungarn aus EU-Sicht „falsch“ gewählt haben.

Für konservativ denkende Außenstehende mag es befremdlich klingen, dass die Themen „Gender“, „Great Reset“, „Ausstieg aus Kohle und Kernkraft“, „feministische Außenpolitik“, „Impfungen“ und „Corona“ in der ungarischen Öffentlichkeit gar keine Rolle spielen. Die Regierung hat für die Privathaushalte des Landes die Energiepreise, die Benzinpreise, die Hypothekenkreditzinsen und die Preise für Grundnahrungsmittel gedeckelt. Der Bedarf an russischem Erdgas ist gesichert. Die Löhne und die Renten steigen kontinuierlich. Die Inflation leider auch. Es wird erwartet, dass die kommenden Krisen Ungarn aber weit weniger treffen werden als andere Länder.

Die öffentliche Aufmerksamkeit liegt auf  dem Ukraine-Konflikt, den Sanktionen, der Erpressung seitens der EU und auf der Energieversorgung.

Die deutschsprachige „Budapester Zeitung“, führte unlängst ein langes Interview mit Viktor Orbàn zu den aktuellen Themen. Das Interview kann hier nachgelesen werden. So erhält man einen Einblick in die tatsächliche Denkweise der politisch interessierten Ungarn, auch wenn das Land in der Auslandspresse regelmäßig und zu Unrecht verleumdet wird. Aber die Sachsen haben damit ja auch Erfahrung. „Dunkeldeutschland“ (Gauck) ist dabei noch eine der harmloseren, sinnfreien, regierungsamtlichen Unterstellungen für Sachsen.

Ob die Sachsen es schaffen, die rotgrünen Deutschland-Zerstörer loszuwerden?

Es gibt Binnenflüchtlinge in meinem Bekanntenkreis, die aus süddeutschen Städten in sächsische Dörfer gezogen sind, um dem Irrsinn des „Bevölkerungsaustauschs“ mitsamt seinen Begleiterscheinungen wenigstens teilweise zu entfliehen.

Sachsen und Ungarn verbindet die über 40-jährige „sozialistische“ Vergangenheit. Beide haben sie 1989 abgeschüttelt. Die Ungarn haben daraus gelernt und sagen „Nie wieder“. Ob die Sachsen das auch schaffen, liegt an ihnen selbst. Ob sie es schaffen, die rotgrünen Deutschland-Zerstörer loszuwerden und zuzurufen: „Macht doch euren Dreck aleene“, aber nicht mit uns? Die Zeit wird die Antwort geben. Ich bin optimistisch!

https://www.pi-news.net/2022/11/von-den-sachsen-und-den-ungarn/

Autor, Conny Axel Meier ist Bundesgeschäftsführer der BÜRGERBEWEGUNG PAX EUROPA e.V. i.R.

2 thoughts on “Von den Sachsen und den Ungarn”

  1. Hallo Herr Meier,
    die Sachsen werden nicht Ruhe geben. Es brodelt im Freistaat. Sogar viele unserer Unternehmer sind beim Protest dabei. Deshalb werden alle Andersdenkende von der grün-rot verklebten sofort in die rechte Ecke geschoben, weil sie Angst haben. Es könnte ja wie 1989 in Sachsen beginnend ein Flächenbrand werden …
    Warten Sie ab. Hier geht noch was.
    Grüße vom Sachsen

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