Bilanz der Regierungsarbeit der Tisza-Partei gegenüber der heimischen Christen

26. September 2026 Ungarn Heute von Ferenc Rieger

Was bleibt von dieser Visite des ungarischen Ministerpräsidenten in Rom, abgesehen von der Einladung des Papstes nach Ungarn? Angesichts der histrionischen Veranlagung Péter Magyars darf man keinen substantiellen Wandel seiner Regierungsführung im Sinne einer erhöhten Sensibilität für christliche Anliegen erwarten.

Péter Magyar macht dem Heiligen Vater seine Aufwartung. Auf den ersten Blick nichts Außergewöhnliches für einen Regierungschef, der katholisch getauft wurde, das Gymnasium der Piaristen in Budapest besuchte und an der Péter-Pázmány-Katholischen-Universität seinen Jura-Abschluss erwarb. Eine lückenlose katholische Sozialisation, könnte man meinen. „Jeden Baum erkennt man ja an seinen Früchten“ (Lk 6,44). Nur: weder „Feigen“ noch „Trauben“ können vom Magyars Baum gesammelt bzw. gelesen werden.

Der viel zitierte christliche Hintergrund ist bei dem Strahlemann aus der Budaer Beletage schwer erkennbar,

wenn man die wohlfeilen Sprüche wie etwa „Habt keine Angst“, die Devise seines Wahlkampfs, beiseite legt. Aus dem Mund eines Papstes, vor dem Hintergrund des von Jaruzelski verhängten Kriegsrechts, hatte die Aufforderung eine motivierende Wirkung, die Massen bewegen konnte. Vonseiten eines Politikers, dessen Wirken auf die Einschüchterung der politischen Gegner abzielt, klingt der berühmte Spruch Karol Wojtyłas jedoch wie ein Hohn.

Doch nicht nur seine früheren Parteikollegen haben allen Grund, die Aufrichtigkeit einer christlichen Gesinnung anzuzweifeln, die lediglich rhetorische Übungen hervorbringt.

Die Bilanz seiner Regierungstätigkeit ist für heimische Christen mehr als enttäuschend.

Bereits die Wahl seiner Bildungsministerin ließ deutlich erkennen, dass Magyar eine linksliberale Restauration beabsichtigt, sowohl auf der Ebene der Institutionen wie im Bereich der gesellschaftlich relevanten Werte. Judit Lannert startete ihr Mandat mit einem Generalangriff auf die kirchlichen Schulen und öffnete Tür und Tor für diverse LGBTQ-Lobbys, die Zugang zu den Kindern und Jugendlichen begehren, um ihre eigene Agenda in einer tendenziell konservativen Gesellschaft zum Durchbruch zu verhelfen.

Sein Gesundheitsminister wiederum machte sich für ein Umdenken in Sachen Lebensschutz stark, das der Einstellung seines verstorbenen Vaters, des angesehenen reformierten Bischofs Loránt Hegedűs, Hohn spricht.

In der Regierungsdelegation, die heute den Vatikan besucht, befindet sich auch der stellvertretende Außenminister György Velkey, der

die Hilfe für verfolgte Christen nicht mehr als Ziel der Agentur Hungary Helps betrachtet, womit er der Reputation Ungarns als ihre Schutzmacht schwere Schaden zufügt.

Die Zusicherung des Ministerpräsidenten nach der Unterredung mit Erzbischof Gallagher, dass seine Regierung den Einsatz für die verfolgten Christen für wichtig hält, überzeugt kaum. In der Ausschreibung für die Leitung der Agentur ist darüber nichts zu lesen.

Das erklärte Ziel, Ungarns Grundgesetz von weltanschaulichem „Balast“, wie etwa der Berufung auf die christlichen Wurzeln, zu befreien, muss nicht nur die Mehrheit der Ungarn, sondern auch den Papst beunruhigen. Leo XIV. soll bezüglich Ungarn gut im Bilde sein, daher ist davon auszugehen, dass er sich vom üblichen Wortschwall seines ungarischen Besuchers nicht blenden lässt und nicht über protokollarische Höflichkeiten hinausgehen wird. Die Kürze des Treffens macht eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem für den Heiligen Stuhl wichtigen Anliegen ohnehin nicht möglich.

Ein weiteres Mitglied der Delegation ist Zoltán Tarr, Minister für soziale Beziehungen und Kultur, zu dessem Ressort auch die Beziehungen zu den Kirchen gehören. Auch diese sind von seinem Faible für Durchleuchtungen nicht verschont geblieben. Vor allem der katholischen Kirche droht seitens des studierten reformierten Theologen Ungemach. Es geht natürlich nicht um die Feindseligkeit eines Protestanten, der nie als Pfarrer tätig war, sondern um das Misstrauen des Politikers gegenüber einer katholischen Kirche, die sich vom Staat nicht kontrollieren lässt. Die protestantischen Bischöfe waren bei der Amtseinführung von Péter Magyar vollzählig anwesend. Ihre katholischen Amtskollegen hingegen glänzten durch Abwesenheit, eine Geste, die nicht als mangelnde Höflichkeit, sondern als Ausdruck der berechtigten Sorge angesichts böser Vorzeichen zu bewerten ist.

In der Homilie der Heiligen Messe in der ungarischen Kapelle des Petersdoms, der der Regierungschef beiwohnte, betonte der Prediger, dass es den ungarischen Heiligen und Seligen gemeinsam sei, dass sie Gottes Wort gehört und es in die Tat umgesetzt hätten. Der konzelebrierende Viktor Zsódi, Oberer der ungarischen Provinz des Piaristenordens, erinnerte anlässlich des Festtags des heiligen Bischofs und Märtyrers Gerhard (Gellért) an das furchtlose Zeugnis der ungarischen Heiligen. Er betonte, dass das Motto Gerhards „Fürchte dich nicht!“ gewesen sei und dass er „so gelebt habe und keine Angst gehabt habe, Zeugnis abzulegen“. Man möchte hoffen, dass Péter Magyar diesen Gottesdienst nicht lediglich als einen weiteren Anlass für schöne Fotos gesehen hat, sondern diese Worte als seelsorgliche Mahnung begreifen wird.

Die Tatsache, dass er – einem Monat vor dem 70. Jahrestag der Revolution von 1956 – dem Papst kirchliche Erinnerungsstücke des ungarischen Volksaufstands schenkte, ist zwar diplomatisch angemessen, entbehrt jedoch nicht einer gewissen Ironie, nachdem

seine Regierung das Erbe jener Zeit durch die Schließung bzw. „Neugestaltung“ des Museums Haus des Terrors relativierte.

Was bleibt von dieser Visite, abgesehen von der Einladung des Papstes nach Ungarn? Angesichts der histrionischen Veranlagung Péter Magyars darf man keinen substantiellen Wandel seiner Regierungsführung im Sinne einer erhöhten Sensibilität für christliche Anliegen erwarten.

Originalerscheinung: https://ungarnheute.hu/news/peter-magyar-besucht-den-papst-schoene-bilder-und-eine-einladung-mehr-nicht-11518/

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