Eine neue Welt in Ungarn
15. April 2026
Péter Magyar hielt seine Siegesrede, nachdem seine Partei, die Tisza, bei der Parlamentswahl ein überwältigendes Ergebnis erzielt hatte. Nach seinen Worten haben die
Tisza und die ungarischen Bürger gemeinsam das von Viktor Orbán geprägte System abgelöst und „ihr Land zurückgewonnen“.
Er bedankte sich bei den Wählern und betonte, dass dieser Erfolg ohne sie nicht möglich gewesen wäre. Seiner Einschätzung nach haben in der Geschichte des demokratischen Ungarns noch nie so viele Menschen an einer Wahl teilgenommen, und keine Partei habe jemals ein so starkes Mandat erhalten.
Besonders hob er die mehr als 3,3 Millionen Wähler hervor, die – so seine Worte – ein historisches Mandat erteilt hätten, ein „funktionierendes und menschenwürdiges Vaterland“ für alle Ungarn aufzubauen.
„Mit dem Sieg der Tisza hat Ungarn Geschichte geschrieben.
Die Ungarn haben Täuschung, Lüge und Verrat eine klare Absage erteilt, und in einem Kampf zwischen David und Goliath hat die Liebe gesiegt. Die Ungarn haben gesagt: Wer das Volk spaltet, muss gehen.“ Er dankte allen Unterstützern dafür, dass sie an die Möglichkeit des Wandels geglaubt haben, und besonders den jungen Menschen, die die Hoffnung zurückgebracht und gezeigt hätten, was es heißt, keine Angst zu haben.
„Die Ungarn haben heute Ja zu Europa und zu einem freien Ungarn gesagt.
Ungarn wird ein Land sein, in dem Leistung zählt – und nicht Beziehungen. Ein Land, in dem jeder Anspruch auf eine angemessene Gesundheitsversorgung, auf Bildung, auf eine unbeschwerte Kindheit und ein würdiges Alter hat. Niemand wird stigmatisiert, weil er anders ist oder anders liebt als die Mehrheit.
Ungarn wird ein Land sein, das sich nicht in Abhängigkeit begibt und niemandes Vasall sein will. Wir werden eine Behörde zur Wiedererlangung des Nationalvermögens einrichten, in der die besten Juristen und Ermittler des Landes tätig sein werden.“
Péter Magyar forderte den scheidenden Ministerpräsidenten auf, keine Entscheidungen mehr zu treffen, die die künftige Tisza-Regierung in ihrer Arbeit einschränken könnten. Gleichzeitig rief er den Staatspräsidenten dazu auf, ihn mit der Regierungsbildung zu beauftragen und anschließend sein Amt niederzulegen.
„Ich fordere alle Marionetten dazu auf, die uns diese Regierung hinterlassen hat:
- den Präsidenten des Obersten Gerichtshofs,
- den Leiter der Nationalen Justizbehörde,
- den Präsidenten des Verfassungsgerichts,
- den Generalstaatsanwalt,
- den Leiter des Rechnungshofs,
- den Vorsitzenden der Wettbewerbsbehörde
- sowie den Präsidenten des Medienrats..“
Eines der zentralen Versprechen des Politikers ist die sofortige Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit, um die blockierten EU-Fördergelder freizumachen.
Er erklärte, dass unmittelbar nach der Bildung der neuen ungarischen Regierung, die nach dem Vorbild von Goebbels und Nordkorea aufgebaute Nachrichtenerstattung und Propagandamaschinerie der staatlichen Medien im rechtlichen Rahmen mit sofortiger Wirkung ausgesetzt werde – und zwar so lange, bis eine unabhängige Medienaufsichtsbehörde, die für eine objektive Nachrichtenberichterstattung zuständig ist, deren Platz einnimmt.
Die staatliche ungarische Nachrichtenberichterstattung müsse unabhängig und ausgewogen sein, frei von jeglichem Einfluss berichten und allen politischen Parteien und Akteuren – unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung – die Möglichkeit geben, in den staatlichen Medien präsent zu sein.
Zu seinen ersten Amtshandlungen sollen gehören:
- die öffentlich-rechtlichen Sender sollten ihre Nachrichtensendungen einstellen, bis gesichert sei, dass sie unvoreingenommen berichten
- Verankerung einer Begrenzung der Amtszeit des Ministerpräsidenten auf maximal acht Jahre in der Verfassung.
- Wiederherstellung das System der Gewaltenteilung
- Annahme von Antikorruptionsmaßnahmen.
- Beitritt zur Europäischen Staatsanwaltschaft (EUStA).
- Einrichtung eines Nationalen Amtes für Vermögensrückführung und Vermögensschutz.
Magyar führte bereits Gespräche mit mehreren bedeutenden europäischen Staats- und Regierungschefs. Er plant, die internationalen Beziehungen neu aufzubauen und die Zusammenarbeit innerhalb der Visegrád-Gruppe zu erweitern. Seine erste Auslandsreise wird ihn nach Polen führen, die zweite nach Wien und die dritte nach Brüssel, um EU-Mittel für Ungarn zu sichern.
Abschließend versprach er, Ministerpräsident aller Ungarn sein zu wollen.
Es war eine Partystimmung in Brüssel nach TISZA-Sieg. „Heute ist ein Tag zum Feiern, denn das ungarische Volk hat seinen Willen zum Ausdruck gebracht und ist auf den europäischen Weg zurückgekehrt, was einen Sieg der Grundfreiheiten bedeutet“, erklärte die Präsidentin der Europäischen Kommission am Montag in Brüssel. Von der Leyen verwies auf die Reden und öffentlichen Äußerungen von Péter Magyar während des Wahlkampfs, in denen der Vorsitzende der TISZA-Partei „sehr deutlich“ sein Bekenntnis zum europäischen Weg zum Ausdruck gebracht und erklärt hatte, dass er sich und die neue Regierung zur Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission bei den noch offenen Fragen verpflichtet habe.