Auf, die Heimat ruft! – Zum ungarischen Nationalfeiertag

15. März 2021 von IRÉN RAB

Am 15. März tragen alle Ungarn – unabhängig davon, wo sie in der Welt leben – eine rot-weiß-grüne Kokarde. Ein Symbol ihres Ungartums, Symbol des Nationalgefühls, worauf sie stolz sind. Die Kokarde wird über dem Herzen getragen, das Herz wird davon wärmer, man fühlt, wie gut ist es, Ungar zu sein. Der 15. März ist ein Nationalfeiertag in Ungarn, gedacht wird den glorreichen Zeiten von 1848/49, als die Nation die demokratischen Gesetze, die Modernisierung des Landes einheitlich verfocht. Die Ungarn kämpften für die Unabhängigkeit und für die Freiheit, welche ihre höchsten Werte sind.

Nationalfeiertag 2019 gefeiert von hunderttausenden vor dem Parlament. Es wird Nationallied gesungen.

1848 gilt als „Revolutionsjahr”, ganz Europa befand sich damals in Aufruhr. Nur in Ungarn entwickelte sich aus den demokratisch-bürgerlichen Forderungen ein Freiheitskrieg, der sich bis in den Sommer 1849 hinzog, und er wurde ein wichtiger Meilenstein der ungarischen Geschichte. Ohne die Traditionen von 1848 hätten die Ungarn 1989/90 keinen politischen Systemwechsel gehabt.

Die ungarische Revolution begann am 15. März 1848 in Pest und Buda, als eine Massendemonstration von Studenten, Bürgern und Handwerkern. Die Anführer – die Dichter Sándor Petőfi, der das Nationallied verfasst hat (s. unten),  Mór Jókai, Pál Vasvári und andere junge Aufständische fassten ihre Forderungen für einen demokratischen Rechtsstaat in 12 Punkten zusammen, sie forderten die Pressefreiheit, Aufhebung von Zensur, Gleichberechtigung vor der Justiz, demokratische Wahlen für eine verantwortliche Regierung und einen jährlichen Landtag in Pest, sowie eine Wiedervereinigung, also Unio mit Siebenbürgen.

Zur gleichen Zeit formulierte der ungarische Landtag in Pozsony (Pressburg, heute Bratislava) zu den gleichen Themen einen Gesetzentwurf, über welchen die beiden Häuser des Landtags abstimmten und der König, Ferdinand V. unterschrieb.  Die ungarischen Reformkräfte riefen Lajos Batthyány als Premierminister aus, der gleichzeitig eine neue Regierung bildete. Die Regierung verabschiedete umfassende Staatsreformen, die so genannten Aprilgesetze, die die Schaffung eines demokratischen Staates in Ungarn zum Ziel hatten. Die Gesetze traten am 11. April 1848 in Kraft.

Die Habsburger, geschwächt durch die allgemeine Unruhe im Land, akzeptierten dies zunächst. Selbst als es im Herbst 1848 zum endgültigen Bruch zwischen Wien und Pest kam, schienen die Ungarn im Krieg gegen Österreich die Oberhand behalten zu können. Die kaiserliche Armee musste im April 1849 zahlreiche Niederlagen hinnehmen, und der ungarisch-polnische General, Jozef Bem, brachte ganz Siebenbürgen unter seine Kontrolle. Der Gouverneur, Lajos Kossuth, erklärte am 13. April 1849 die vollständige Unabhängigkeit Ungarns vom Habsburger Reich.

Kaiser Franz Joseph bat den Zar Nikolaus I. um militärische Unterstützung, und mit Hilfe der Russen wurde den aufstrebenden Ungarn ein schnelles Ende gesetzt. Die Ungarn riefen andere europäische Mächte erfolglos zu Hilfe. Kossuth dankte ab und am 13. August 1849 erklärten sich die Ungarn für besiegt.

Die Habsburger richteten den Ministerpräsidenten Batthyány und 13 Generäle in der Tat und viele Offiziere symbolisch hin. Soldaten, Mitglieder der Nationalgarde wurden in die österreichische Armee eingeworben. Es kamen die Jahre des Habsburger Absolutismus, das ganze Land befand sich fortwährend in einem „passiven Widerstand“, der letztlich im Ausgleich mit Österreich 1867 mündete.

Die 12 Punkte des Aufstandes fangen mit der Frage an:

Was wünscht die ungarische Nation? Und die Antwort war: es herrsche Frieden, Freiheit und Einigkeit!

Das können wir für uns genauso auch heute wünschen. Es lebe die ungarische Freiheit, es lebe unser Vaterland, es lebe hoch!

Nationallied von Sándor Petőfi (15. März 1848)

Auf, die Heimat ruft, Magyaren!
Zeit ist’s, euch zum Kampf zu scharen!
Wollt ihr frei sein oder Knechte?
Wählt! Es geht um Ehr und Rechtei
Schwören wir beim Gott der Ahnen:
Nimmermehr
beugen wir uns den Tyrannen!
Nimmermehr!

Sklaven waren wir, Verräter
an dem Geiste unsrer Väter,
die im Grab nicht Ruhe fanden,
seit die Freiheit ging zuschanden.
Schwören wir beim Gott der Ahnen:
Nimmermehr
beugen wir uns den Tyrannen!
Nimmermehr!

Fluch dem Wicht, der jetzt versagte,
feige nicht zu kämpfen wagte,
dem sein Leben teurer wäre
als des Vaterlandes Ehre!
Schwören wir beim Gott der Ahnen:
Nimmermehr
beugen wir uns den Tyrannen!
Nimmermehr!

Statt die Ketten zu zerschlagen,
haben wir sie stumm ertragen.
Rühmlicher und ehrenwerter
sind für Männerhände Schwerter!
Schwören wir beim Gott der Ahnen:
Nimmermehr
beugen wir uns den Tyrannen!
Nimmermehr!

Waschen wir mit Blut die Schande
weg von unsrem Vaterlande,
daß sein Schild in allen Breiten
strahle wie zu alten Zeiten!
Schwören wir beim Gott der Ahnen:
Nimmermehr
beugen wir uns den Tyrannen!
Nimmermehr!

Unsre Kinder sollen später
an den Gräbern ihrer Väter
stets in dankbarem Gedenken
ehrfurchtsvoll die Häupter senken!
Schwören wir beim Gott der Ahnen:
Nimmermehr
beugen wir uns den Tyrannen!
Nimmermehr!

Übersetzt von Martin Remané

Unser Filmangebot zum Feiertag,( leider ohne Untertitel)

Sándor Sára: 80 huszár (1978) https://www.karizmatikus.hu/noha/a-mi-mozink-2/video/482-80-huszar-1978.html

Géza Bereményi: A Hídember (2002) https://www.youtube.com/watch?v=qfmjnBY2KDs

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