St.-Stephans-Saal im Budaer Burgpalast

21. August 2026

Der groß angelegte Umbau des Budaer Burgpalasts wurde um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert vom Architekten Alajos Hauszmann entworfen. Der Ausbau dauerte ungefähr von 1890 bis 1905. Im Zuge des großen Umbaus entstanden auch mehrere repräsentative Prunk- und Festsäle, u.a. drei historisierende Prunksaalen entworfen

Der St.-Stephans-Saal (Szent István-terem) wurde nach Plänen von Alajos Hauszmann als neoromanisches Meisterwerk der ungarischen angewandten Kunst erbaut und dem heiligen König, dem Staatsgründer, gewidmet. Hauszmann entwarf den Saal als Teil des südlichen Verbindungsflügels des Königlichen Palastes. Der Saal war besonders bedeutend für die ungarische Kunsthandwerksbewegung. Die meisterhafte Innenausstattung (u. a. Holztäfelungen von Endre Thék, Zsolnay-Pyrogranit-Bilder) gewann auf der Pariser Weltausstellung 1900 den Grand Prix. Die offizielle Einweihung fand im Februar 1902 bei einem Hofball im Beisein von König Franz Joseph statt.

Der Matthias-Hunyadi-Saal (Mátyás-terem) – ein historisierender Prunksaal im Neorenaissance-Stil, der König Matthias Corvinus gewidmet war.

Der Habsburg-Saal (Habsburg-terem) – ein repräsentativer historistischer Saal unter der neuen Kuppel, mit einer Deckenmalerei von Károly Lotz zur Verherrlichung der Habsburgerdynastie.

Diese historischen Prunksäle ebenso wie der gesamte Königspalast brannten während der Belagerung von Budapest im Zweiten Weltkrieg vollständig aus. Die Zerstörung war erheblich – aber der Palast war nicht einfach vollständig verschwunden. Große Teile der Außenmauern und die Grundstruktur waren noch vorhanden.

1948 wurde grundsätzlich beschlossen, den Palast wiederaufzubauen, allerdings mit vereinfachten Fassaden und völlig neu gestalteten Innenräumen. Das war politisch durchaus bedeutsam. Der prächtige neobarocke Palast von Hauszmann stand für die Habsburger, die Monarchie und die Horthy-Zeit – also für genau jene politische Vergangenheit, von der sich das kommunistische Ungarn distanzieren wollte. Deshalb entschied man sich schließlich nicht für eine vollständige Rekonstruktion des königlichen Palastes. Die historischen Innenräume wurden nicht rekonstruiert. Es blieb auch keine der ehemaligen königlichen Innenausstattungen erhalten.

Nach dem Konzept von 1957/59 wurde der Burgpalast als „Kulturzentrum“ festgelegt, dass vor allem Museen, Bibliotheken und andere kulturelle Einrichtungen einziehen sollten. Die beschädigten bzw. zerstörten Säle – etwa die prachtvollen Räume aus der Hauszmann-Zeit – wurden im Rahmen der sozialistischen Rekonstruktion weitgehend durch moderne Museums- und Bibliotheksräume ersetzt.

Es wurde 2019 ein groß angelegtes Rekonstruktionsprogram, das Nationale Hauszmann-Programm (Nemzeti Hauszmann Program) gestartet, um das Burgviertel wieder stärker in den Zustand der Zeit um 1900/1914 zu versetzen. Ein wichtiger Gedanke des Programms ist dabei, nicht nur Fassaden zu restaurieren, sondern die historische Atmosphäre des gesamten Burgpalast-Viertels wiederherzustellen.

Im Rahmen des Nationalen Hauszmann-Programms wurde der St. Stephan-Saal – welcher über sieben Jahrzehnte hinweg lediglich als provisorischer Lagerraum diente -. mit hunderten ungarischen Handwerkern originalgetreu wiederhergestellt und am 20. August 2021 für das Publikum geöffnet.

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