10. März 2026 Magyar Hírlap von Irén Rab
Wenn Tisza-Partei gewinnt, bringen sie die EU-Gelder nach Hause
Ich stellte mir sofort vor, wie ihre EP-Abgeordneten das Geld in einem grenzenlosen Europa in Schubkarren nach Hause transportieren oder es bei jeder Reise nach Brüssel in von Eva Kaili ausgeliehenen Koffern als Handgepäck mitnehmen, vielleicht sogar aufgeben. Die 10 Milliarden Euro, die die auf Gerechtigkeit bedachte Kommission aufgrund von Einwänden der Rechtsstaatlichkeit noch zurückhält, sind nicht viel. Volumenmäßig würden sie in einem kleinen Lieferwagen in 500-Euro-Scheinen Platz finden, aber aufgrund ihres Gewichts wäre ein LKW erforderlich. Denn so viel Geld nimmt zwar nur 2,6 Kubikmeter ein, ist aber schwer und wiegt 20 Tonnen. Ich weiß das genau, weil ich ChatGPT gefragt habe. Es hat alles berechnet: Koffer, Handgepäck, Auto, nur die Schubkarre nicht.
Ich bin immer wieder überrascht, dass die Gläubigen an diese Heimkehr glauben und daran, dass sich alle Probleme des Landes mit einem Schlag lösen werden, wenn Tisza gewinnt.
Ich habe selbst gehört, wie Tisza dies bei einer Sommer-Wahlkampfveranstaltung versprochen und mit einer einfachen Rechnung auf den Kopfbetrag heruntergebrochen hat. 800.000 Forint pro Kopf, sagte er, ohne zu zögern. Und man sah seinem Publikum an, dass sie das für sich selbst verstanden und ausrechneten, wohin sie nächstes Jahr mit diesem Geld in den Urlaub fahren würden, ob nach Kroatien oder Spanien, und wenn sie drei Kinder hätten und sogar die Großmutter mit einberechneten, wären das fast fünf Millionen, genug für Luxus. Ich weiß nicht, wie er auf diese Zahl gekommen ist, ob der großspurige Künstler nur die Kohäsionsgelder gezählt hat oder auch andere Quellen hinzugefügt hat, denn die Summe passt überhaupt nicht zusammen. Außerdem ist es der aktuellen Regierung gelungen, einen Teil der uns zustehenden eingefrorenen Gelder nach Hause zu holen, auch wenn die Vertreter der EU noch so sehr protestiert haben. Das Geld kam nicht mit Schubkarren und Lastwagen, sondern per Überweisung, und es landete dort, wo es hingehörte.
Denn dieses Geld wird nicht einfach so hin- und hergeschoben, sondern es gibt dafür vorgeschriebene Verfahren. Nachfinanzierte Projekte unterliegen strengen Ausschreibungsvorschriften, die mit EU-Fachbegriffen überwacht und von OLAF geprüft werden, und man kann höchstens durch überhöhte Preise etwas davon abschöpfen, aber es in die eigene Tasche stecken, wie es sich die Leute aus Tisza auf Anweisung ihres Chefs vorstellen, das geht ganz sicher nicht.
Im vorangegangenen Haushaltszyklus (2014–2020) gelang es, 100 % der Kohäsionsmittel in Anspruch zu nehmen, was 32,08 Milliarden Euro entsprach.
Damals gehörten wir noch zu den größten Empfängern, und wahrscheinlich hat das Land dieses Geld gut genutzt, denn im aktuellen Zyklus würden nur noch 21,7 Milliarden Euro zur Verfügung stehen. Der Betrag dieser Unterstützung verringert sich nämlich proportional zum Entwicklungsstand des Landes und der jeweiligen Regionen, und die Empfänger werden irgendwann zu Nettozahlern. So wurden wir beispielsweise 2025 zu Nettozahlern, weil wir mehr eingezahlt haben, als wir zurückbekommen haben, aber dafür gab es „rechtsstaatliche“ Gründe. Wenn die Ukraine in die Union aufgenommen wird, müssen wir von da an wie ein Offizier zahlen, weil sie den EU-Durchschnitt so stark nach unten drückt, dass alle außer der Ukraine diese niedrige Hürde nehmen werden.
Finanzmittel aus gemeinsamer Lastenverteilung
In einem schwachen Moment hat Ministerpräsident Orbán kürzlich verraten, woraus
Familienbeihilfen, Steuererleichterungen, Rentenerhöhungen, vergünstigte Kredite, die Unterstützung des Unternehmenssektors und der Aufbau des Landes finanziert werden. Nicht aus EU-Mitteln.
Wenn wir darauf warten würden, würden wir entweder nichts davon bekommen oder müssten unseren Standpunkt aufgeben. Das kommt aber nicht in Frage, denn es ist eine Frage des Prinzips, dass die Ungarn stets mit aller Kraft an ihrer Souveränität festgehalten haben. Woher dann? Nun, zwischen 2010 und 2025 hat die Regierung aus drei Wirtschaftsbereichen – Banken, Energieunternehmen und Handelsketten – mit verschiedenen Methoden insgesamt 14.956 Milliarden Forint eingenommen. Lassen Sie uns das einmal auf sich wirken lassen: 14.956 Milliarden Forint! Man kann ausrechnen, wie viel Euro das pro Jahr sind, nämlich kaum weniger als das, was aus der EU hereinkommt. Und laut Plan werden wir auch 2026 noch 1.922 Milliarden Forint verlieren. Das ist keine nicht rückzahlbare Beihilfe, sondern soziale Verantwortung, oder, wie es in der ungarischen Reformzeit im 19. Jahrhundert so schön heißt: gemeinsame Lastenverteilung. Niemand ist ruiniert worden, die multinationalen Konzerne haben trotzdem gut verdient, aber es ist kein Wunder, dass sie jetzt zähneknirschend reagieren.
Ungarn als ärmtes Land Europas?
Ich lese die Wahlkampftexte der Opposition. Lassen wir das Thema Diktatur einmal beiseite, denn wer nicht in einer Diktatur gelebt hat, kann sich die grobe Verletzung der Persönlichkeitsrechte, des Privateigentums und der Freiheit gar nicht vorstellen. Ich möchte keine empfindlichen Gemüter verletzen, lassen Sie uns lieber über etwas anderes sprechen! Gestern beispielsweise schrieb ein ebenfalls aus Tisza stammender Kandidat auf seiner Facebook-Seite, dass Ungarn das ärmste Land Europas sei. Sicherlich hat ihm sein Chef die Anweisung gegeben, dass dies jetzt so sein muss. Wir leben schlecht, wir sind arm, die Hälfte des Landes lebt in Elend, die Regierung ist für alles verantwortlich!
Die offiziellen Daten stehen im Widerspruch zum Wahlkampftext. Über einen Zeitraum von zehn Jahren wurde ein durchschnittliches Vermögenswachstum von 11 Prozent pro Jahr gemessen, was bedeutet, dass Ungarn zur globalen Spitzengruppe gehört.
Nach Angaben der MNB sind die Bankeinlagen und die Bargeldbestände der Bevölkerung weiter gewachsen. Das Finanzvermögen der ungarischen Haushalte stieg bis zum dritten Quartal 2025 auf 115 Billionen Forint. Auch die neuen Ersparnisse erreichten einen Rekordwert, wobei mehr als die Hälfte davon in Wertpapiere floss. Das Pro-Kopf-Vermögen stieg auf Jahresbasis um fast 15 Prozent auf 24.170 Euro. Darüber hinaus haben die Ungarn in den letzten Jahren erhebliche Summen ins Ausland transferiert und halten immer mehr Ersparnisse auf ausländischen Bankkonten, derzeit mehr als 2.167 Milliarden Forint. All dies wurde von HVG und Index (unabhängige Medien) veröffentlicht und von Allianz analysiert.
Laut dem Bericht von Allianz Global Wealth wird Ungarn im Jahr 2024 auf Platz 28 der globalen Vermögensrangliste und auf Platz 18 unter den Ländern der Europäischen Union stehen, womit es sich um fünf Plätze gegenüber seiner bisherigen Position verbessert.
Der Bericht bezeichnet Ungarn als Wachstumsmeister Osteuropas.
Diese Zahlen können geschönt werden, man kann behaupten, dass ein Großteil der ungarischen Bevölkerung nicht vom Vermögenszuwachs profitiert. Forbes behauptet, dass sich der Großteil der Staatsanleihen und kleineren Ersparnisse auf die reicheren Schichten konzentriert, während sich die finanzielle Lage der Mittelschicht verschlechtert und das Vermögen der Kleinsparer stagniert oder sinkt. Egal, was sie sagen: Die Ungarn haben so viel Geld wie nie zuvor, und es ist genau zu sehen, wo sie es investieren. Zum Beispiel in zuverlässige und rentable Staatsanleihen.
Im Vergleich dazu sind die EU-Mittel verschwindend gering, unabhängig davon, ob sie „nach Hause geholt“ werden oder nicht.
Autorin, Dr. Irén Rab ist Kulturhistorikerin, Chefredakreurin von Ungarnreal
MAGYARUL: https://magyarhirlap.hu/velemeny/20260305-novekedesi-bajnok-vagy-europa-legszegenyebb-orszaga