Narrenschiff

Thomas Bühler: Narrenschiff (Ölbild, 2009)

2. Februar 2022, Gastbeitrag von MATTHIAS GUBITZ

Man fragt sich, wie es kommt, dass die erdrückende Mehrheit der Deutschen, die sich an der letzten Bundestagswahl beteiligt haben, für die etablierten Parteien gestimmt hat, die offenkundig inzwischen alle (wenn auch mit gewissen Nuancen in der Betonung des einen oder anderen Programmpunkts) in merkwürdiger Eintracht ein ursprünglich von den Grünen in den parlamentarischen Politikbetrieb eingebrachtes kulturmarxistisches Modell von Gesellschaft und Wirtschaft propagieren. Die kürzeste Antwort auf diese Frage, die ich weiß, ist folgende:

Die Grünen sind die Missionare einer neuen Religion des Humanitarismus (im Sinne von Arnold Gehlen: „Moral und Hypermoral„, 1969) auf dem Boden des szientistischen Materialismus. Da unsere tradierte Religion, die schon seit der Spätaufklärung unter Beschuss steht und nur nach der Katastrophe des 2. Weltkriegs eine Renaissance erfahren hatte, seit mindestens einer Generation aus mehreren Gründen im Schwinden ist (einer davon ist der materielle Wohlstand bei gleichzeitigem Verblassen der Erinnerung an die Not der Kriegs- und Nachkriegszeit, ein anderer die Infiltration mit der kommunistisch-hedonistischen Ideologie der Achtundsechziger), stößt die grüne Ideologie auf ein ungestilltes elementares Bedürfnis nach Sinn und nach Orientierung an etwas, das größer ist als das Streben nach materiellem Wohlstand und schnellem Vergnügen. Diese Ideologie füllt also die Lücke, welche die zunehmend verteufelte christliche Lehre in vielen Menschen spürbar hinterlassen hat.

Dazu kommt speziell in Deutschland die Frucht der von den Siegern ab 1945 durchgeführten Reeducation, die hierzulande einen Schuldkomplex geradezu verordnet

und seit den 70er-Jahren auch zunehmend erfolgreich in einem Großteil der autochthonen Deutschen implementiert hat. In den Schulen wird Geschichte fast nur noch ab 1789 gelehrt mit einem besonderen Schwerpunkt auf 1933-1945, wobei die Wurzeln dieses unseligen „1000-jährigen Reichs“ bis zur Romantik zurückprojiziert werden. Gerade die gymnasial gebildeten Deutschen wachsen also mit dem Bewusstsein auf, seit vielen Generation am schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte SCHULD zu sein. Und aus dieser Bevölkerungsgruppe rekrutieren sich alle Multiplikatoren und Führungsleute.

Daher rührt die Neigung zu dem Phänomen, das ich Nationalmasochismus nenne, also zu einer Leidenschaft an der Selbstzerknirschung, Selbstdemütigung und der langsamen Selbstzerstörung als eigenständige Kulturnation. Die Grünen bedienen diese Lust an der eigenen Beschämung und Bestrafung am konsequentesten mit ihrer Migrationsagenda und einer „Klimapolitik“, die auf die Abschaffung des Industriestandorts Deutschland hinausläuft und nebenher Askese in vielen Feldern des täglichen Lebens fordert – mit der großen Ausnahme der schweren sexuellen Perversionen, die kompensatorisch als Bestandteil der neuen Heilsbotschaft geradezu fanatisch beworben werden. Und die anderen „demokratischen“ Parteien SPD, FDP, Linke und seit Merkel auch die CDU/CSU haben zumindest große Teile dieser Agenda ebenfalls zu ihrem Programm gemacht.

Die Mainstreammedien und ein (durch Drittmittel und die staatliche Förderung) korrupter Wissenschafts- und Kulturbetrieb tun, was sie können, um diesen Narreteien Vorschub zu leisten.

Höchst anstößig ist für den hier herrschenden politisch-medial-kulturellen Komplex die Realität, dass Ungarn ein befreundeter Staat, der in der neueren und jüngsten Geschichte stets mutig und treu an der Seite der deutschen Kulturnation gestanden hat, wirtschaftlich und kulturell erblüht ist, weil (und nicht, wie suggeriert wird, obwohl) in ihm der zeitgeistige Irrsinn auf demokratisch legitimierte Weise in Schranken gewiesen wird. Deswegen wird Ungarn in den Medien hierzulande diffamiert, verleumdet, ja verteufelt, was das Zeug hält. Das passt zum Umgang des Justemilieu mit der Realität nach dem Motto: „Was nicht sein darf, das kann nicht sein!“

Darum stellt man Viktor Orbán als Diktator hin, damit ja niemand glauben mag, dass es eine erfolgreiche konservative Alternative zum links-grünen Gesellschaftsmodell geben könnte.

Auch soll davon abgelenkt werden, dass in Deutschland auf die freiheitliche Demokratie und die Unabhängigkeit des Verfassungsgerichts immer weniger Verlass ist. Bei Licht betrachtet fällt der notorische Versuch, das offizielle Ungarn zu beschämen und zu beschuldigen, auf die Absender dieser Injurien zurück: Wer auf einen anderen zeigt, auf den zeigen drei Finger retour.

Leider gilt jedoch auch hierfür, was Gustave Le Bon in seiner Schrift „Die Psychologie der Massen“ 1895 sinngemäß gesagt hat:

Man muss nur eine Lüge oft genug in der Öffentlichkeit wiederholen, bis sie allgemein geglaubt wird.

Daher folgen die deutschen Schlafschafe mehr oder weniger geschlossen dieser ganzen links-grünen Programmatik und spüren nicht, dass sie in ihr Verderben laufen. Es ist kollektiver destruktiver Wahnsinn, der sich hier breitgemacht hat.

Autor, Dr.  Matthias Gubitz ist Psychiater und Neurologe

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