Bewusste Zerstörung einer Sakralstätte in Budapest: Die Vernichtung der Regnum-Marianum-Kirche

19. September 2026

Die Marienverehrung der Kirche, ihr nationales Symbolsystem und ihr offen antikommunistischer Ursprung als Gelübdeorden waren für das Regime besonders inakzeptabel. Ihr Abriss ist untrennbar mit der kirchenfeindlichen Politik der Diktatur verbunden: Eine antikommunistische Gelübdekirche durfte im stalinistischen Machtdemonstrationsplatz nicht bestehen bleiben.

Die Anfänge (1896-1919)

Die Geschichte begann lange vorm Bau der Kirche im Stadtwäldchen. Ottokár Prohászka gründete 1896 unter dem Namen „Philippinum“ den Vorläufer der späteren Priestergemeinschaft „Regnum Marianum“, die in erster Linie der Betreuung und Erziehung der Kinder und Jugendlichen von Külső-Erzsébetváros, dem sogenannten „Csikágó“ (= Chikago), diente. Der transsylvanische Bischof Gusztáv Károly Majláth erwarb 1901 für sie das Haus in der Damjanich Straße 50. Die dort eingerichtete Kapelle erwies sich bald als zu klein, weshalb Fürstprimas János Csernoch 1919 um sie herum eine eigenständige Pfarrei gründete: Ihr erster Pfarrer wurde Lajos Shvoy.

Der Bau der Kirche (1923-1931)

Die Hauptstadt Budapest stellte 1923 als Grundherr am Rande des Stadtwäldchens, auf der Achse der Damjanich-Straße, ein Grundstück für die neue Pfarrkirche zur Verfügung. Nach einem Architekturwettbewerb wurde der Entwurf von Iván Kotsis, Professor an der Technischen Universität, ausgewählt. Der Grundstein wurde am 10. Oktober 1925 von Prinzprimas János Chernoch gelegt … An der Feier nahmen auch Reichsverweser Miklós Horthy und Oberbürgermeister Ferenc Ripka teil. Gemäß der Gründungsurkunde war das Gebäude sowohl Pfarrkirche als auch Dankeskirche:

Es diente als Dank für den Sturz der Räterepublik von 1919 und verkörperte zugleich König Stephans Idee des „Regnum Marianum“, also des Landes von der Heiligen Maria.

Der erste Spatenstich erfolgte am 26. Juli 1926, die eigentlichen Bauarbeiten begannen am 11. August. Die durch öffentliche Spenden finanzierten Arbeiten wurden durch die 1929 einsetzende Weltwirtschaftskrise gebremst. Die Kirche wurde am 14. Juni 1931 von Kardinal Jusztinián Serédi, dem Fürstprimas, geweiht.

Wie sah das Gebäude aus?

Der offizielle Name lautete „Magna Domina Hungarorum“, also Pfarrkirche der Großen Herrin der Ungarn; im Volksmund war sie als „Regnum Marianum“ bekannt. Es handelte sich nicht um eine dreischiffige Basilika, sondern um eine von südfranzösischen und italienischen Einflüssen geprägte, neoromanische, historisierende Kirche mit zentralem Grundriss. Das 1.820 Quadratmeter große Gebäude wurde aufgrund des torfhaltigen Bodens im Stadtpark auf Betonpfählen errichtet. Seine große Kuppel wurde von einer Nachbildung der ungarischen Heiligen Krone geschmückt. Der geplante 54 Meter hohe Glockenturm wurde aus Geldmangel nicht gebaut; die 210 Kilogramm schwere St.-Imre-Glocke fand in einem kleineren, 16 Meter hohen Bauwerk Platz.

Im Untergeschoss wurden Räume für religiöse, kulturelle und soziale Zwecke sowie ein Vortragssaal eingerichtet.

Der Innenraum blieb aufgrund der Geldknappheit relativ schlicht, doch ein Altarbild von Masa Feszty, das die Heilige Elisabeth aus dem Hause Árpád darstellt, fand darin seinen Platz. Die Kirche war das geistliche und gemeinschaftliche Zentrum der Pfarrei, während die Jugendbewegung „Regnum Marianum“ weiterhin im Haus in der Damjanich-Straße beheimatet blieb.

Vom Krieg bis zum Todesurteil (1944-1951)

Die Kapelle „Klein-Regnum“ in der Damjanich-Straße wurde am 2. Juli 1944 durch einen Bombenangriff zerstört. Die große Kirche im Stadtpark blieb hingegen stehen und diente den Gläubigen bis 1951; seine Zerstörung war also keinesfalls Folge eines irreparablen Kriegsschadens. Mit dem Ausbau der kommunistischen Diktatur schrumpfte der Handlungsspielraum der Kirche zunehmend, und die organisierte Tätigkeit des Regnum wurde unmöglich gemacht.

Die Marienverehrung der Kirche, ihr nationales Symbolsystem und ihr offen antikommunistischer Ursprung als Gelübdeorden waren für das Regime besonders inakzeptabel.

Der Paradeplatz und die Stalin-Statue

Durch die Verbreiterung der Dózsa-György-Straße wurde ein Platz zur Darstellung staatlich-kommunistischer Macht geschaffen, der für militärische Paraden und Massenkundgebungen genutzt wurde und zu dem auch eine Stalin-Statue sowie die Ehrentribüne gehörten.

Die Kirche geriet unter die im Weg stehenden Gebäude, doch ihr Abriss ist untrennbar mit der kirchenfeindlichen Politik der Diktatur verbunden: Eine antikommunistische Gelübdekirche durfte im stalinistischen Machtdemonstrationsplatz nicht bestehen bleiben.

Die Stalin-Statue wurde jedoch nicht direkt auf den Fundamenten der Kirche, sondern weiter westlich, auf der Achse der Stadtwäldchen-Allee aufgestellt; erst 1969 entstand an der Stelle der Kirche ein politisches – kommunistisches – Denkmal.

Die letzte Messe und die mehrwöchige Zerstörung

Zur letzten Sonntagsmesse vor der Räumung versammelte sich eine große Menschenmenge. Den Erinnerungen zufolge wollten die Gläubigen auch nach der Feier nicht gehen: Sie weinten, beteten und nahmen, an die Wände gelehnt, Abschied von ihrer Kirche. Einigen Berichten zufolge wurde die Menschenmenge von der ÁVH (ungarische Geheimpolizei) auseinandergetrieben.

Die Abrissarbeiter zerschlugen zunächst die Kuppel krönende Nachbildung der Heiligen Krone und versuchten dann, das Gebäude mit herkömmlichen Methoden abzureißen. Die Stahlbetonkonstruktion hielt jedoch stand, weshalb die tragenden Elemente ausgehöhlt, die innere Holzverschalung in Brand gesetzt und

schließlich die Wände und Säulen durch wiederholte Sprengungen zum Einsturz gebracht wurden; ein Teil der Trümmer wurde in die Unterkirche gekippt.

Als allgemein bekannter Gedenktag gilt der 23. September 1951, doch das genaue Datum der Sprengung ist umstritten: Pater István Keglevich erinnerte sich an den 12. September, während ein Brief vom 14. Dezember 1951 belegt, dass das Gebäude auch noch im November gesprengt wurde. Die Zerstörung war also keine einzelne Sprengung, sondern ein wochenlanger Prozess.

Was nach der Zerstörung folgte

Im November 1951 mussten die Priester von Regnum auch das Haus in der Damjanich-Straße 50 verlassen, und die Gemeinde war gezwungen, im Untergrund weiterzuarbeiten. Gegen ihre Mitglieder wurden 1961, 1965 und 1971 politische Schauprozesse inszeniert. Während der Revolution von 1956 keimte noch einmal Hoffnung auf einen Wiederaufbau auf: Am 1. November rief die Katholische Volkspartei zu einer landesweiten Spendenaktion auf, doch der sowjetische Angriff am 4. November machte alles zunichte.

An der Stelle der Kirche wurde am 21. März 1969, zum 50. Jahrestag der Räterepublik, eine nach dem Plakat „Zu den Waffen!“ von István Kiss und Róbert Berény Rény aus dem Jahr 1919 gestaltete Figur eines flaggenschwingenden Arbeiters eingeweiht.

Das Denkmal wurde nach der Wende 1992 in den Skulpturenpark von Budatétény verlegt, und im Jahr 2000 wurde an dieser Stelle ein Gedenkkreuz errichtet. Die Pfarrei Regnum Marianum wurde 1991 in Zugló neu gegründet; der Bau der neuen Kirche am Zoborhegyi-Platz begann 1995, und Kardinal László Paskai weihte sie am 6. Oktober 1995.

Historische Bilanz

Der Abriss der Regnum-Marianum-Kirche erfolgte zwar angeblich im Rahmen städtebaulicher Maßnahmen, doch die Auswahl des Zielobjekts und die vollständige Beseitigung des Gebäudes wurden im Wesentlichen durch die kirchen- und geschichtsfeindliche Politik des stalinistischen Regimes bestimmt. Es wurden nicht bloß Mauern zerstört;

eine aktive Pfarrei, eine aus Spenden der Gemeinde errichtete Votivkirche und ein historisches Symbol, das für die Machthaber eine feindliche Bedeutung hatte, wurden aus dem Stadtbild Budapests getilgt.

Die an dieser Stelle verbliebene Lücke ist daher selbst ein historisches Dokument.

Deutsche Übersetzung: Dr. Andrea Martin

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