Doppelmoral

12. Februar 2026 Magyar Hírlap von IRÉN RAB

Der 13. Februar 1945, das Ende der Belagerung von Budapest, ist ein Tag in der Geschichte, der je nach ideologischer Sicht unterschiedlich bezeichnet wird. An diesem Tag endeten die deutsche Besatzung sowie die Herrschaft der seit dem 15. Oktober 1944 regierende nationalsozialistischen Pfeilkreuzler und es war der Tag der Befreiung Budapests, als die Verteidiger der 52 Tage lang umzingelten und belagerten Stadt sich ergaben.

Die wunderschöne ungarische Hauptstadt wurde den Interessen der Großmächte geopfert. Die Deutschen wollten hier, in der „Festung Budapest”, die Sowjets aufhalten.

Zuerst fanden die Kämpfe auf der Pest-Seite statt, dann wurden die Brücken von Budapest gesprengt, um den Sowjets die Überquerung der Donau zu erschweren – ohne Erfolg – und schließlich wurde auch die Buda-Seite in Schutt und Asche gelegt. Die Rote Armee und die Wehrmacht opferten Budapest für Ziele der Großmächte.

45 Jahre lang feierten wir auf Befehl der Kommunisten den  „Befreiungstag Budapests”. Es war uns verboten worden, den etwa 37.000 ungarischen Soldaten zu gedenken, die für die Verteidigung ihrer Hauptstadt gekämpft hatten, denn sie wurden als Faschisten eingestuft, da sie sich gegen die heldenhafte Befreiungsarmee der Sowjets gestellt hatten.

Für manche Deutschen ist der 12. Februar der „Tag der Ehre”.  Sie gedenken der 33.000 deutschen Soldaten, die am letzten Tag der 52-tägigen Belagerung aus der Budaer Burg ausbrachen, um sich durch den sowjetischen Belagerungsring zu den deutschen Stellungen durchzukämpfen. Vielleicht gelang dies insgesamt tausend Menschen, die anderen starben oder gerieten in Gefangenschaft. Dieser Tag ist heutzutage eine der großen Gedenkfeiern der Neonazis in Budapest, weil sie es hier tun dürfen. Jedes Jahr bevölkern die an ihrer Kleidung gut erkennbaren sogenannten Neonazis die ungarische Hauptstadt und nehmen uns Ungarn die Möglichkeit, unsere eigene Gedenkfeier in Würde zu begehen.

Denn wir nennen diesen Tag „Tag des Ausbruchs” und gedenken an diesem Tag der gefallenen ungarischen Soldaten mit einer Wanderung, dem Anzünden von Kerzen und dem Besuch der Kriegsschauplätze. Im Rampenlicht der sich unabhängig und objektiv bezeichnenden, allerdings stark linksgerichteten Presse ist das ohnehin etwas schwierig.

Vor einigen Jahren hat der „Tag der Ehre“ eine neue Dimension erreicht. Die internationalen antifaschistischen Elitetruppen der ausländischen extremen Linken sind auch eingetroffen, um gegen die faschistischen Neonazis zu demonstrieren.

So, wie sie es von zu Hause gewohnt sind. Provokativ, lautstark und mit Schlägereien. Die ungarische Polizei versucht, diese für sie ungewohnte Situation unter Kontrolle zu bringen. Bislang ist ihr das gelungen.

Deshalb schmiedeten die „Antifa“s einen neuen Schlachtplan. Im Jahr 2023 traf ihre Terror-Truppe früher am Ort des Geschehens ein. Mit Hämmern, Bullenknüppeln, Schlagstöcken, Eisenrohren und Pfefferspray bewaffnet wählten sie ihre Opfer willkürlich, allein anhand ihrer Kleidung aus.

Innerhalb von drei Tagen verübten sie fünf brutale Angriffe, bei denen sechs Menschen schwere und drei leichtere Verletzungen davontrugen, wobei mehrere Opfer sogar lebensgefährliche Verletzungen erlitten.

Das war auch das Ziel: Sie wollten, dass ihre Opfer neben den körperlichen Schmerzen auch seelische Qualen erleiden und damit eine abschreckende Botschaft an die Vertreter rechtsextremer Bewegungen senden. Auf den Überwachungskameras waren insgesamt neunzehn Personen zu erkennen, aber aufgrund der Gesichtsmasken konnten nicht alle eindeutig identifiziert werden. Trotzdem wurde die Gruppe ausgehoben und die Haupttäter in Gewahrsam genommen.

Die Hauptangeklagte in diesem Menschenjagd-Prozess war die Italienerin Ilaria Salis, die zu elf Jahren Haft verurteilt worden wäre, wenn ihre grüne Antifa-Partei sie nicht mit Hilfe eines ihrer Mandate als Abgeordnete des Europäischen Parlaments, das ihr Immunität gewährt, aus dem ungarischen Gefängnis befreit hätte. Der vierte Angeklagte, Simeon Trux, hatte nicht so viel Glück. Er wurde

wegen vierfacher Körperverletzung in einer kriminellen Vereinigung, lebensgefährlicher Körperverletzung und versuchter schwerer Körperverletzung aus niederen Beweggründen angeklagt.

Das Berliner Gericht lieferte ihn im Sommer 2024 an die ungarischen Behörden aus, damit er dort entsprechend der Schwere seiner Tat verurteilt werden könne. Seit der Auslieferung wird in Deutschland  dagegen gekämpft und Ende Januar 2025 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass die Auslieferung rechtswidrig war und gegen Artikel 4 der Grundrechtecharta der Europäischen Union verstieß.

Simeon hat sich nämlich inzwischen zu einer Frau transformiert und ist in seinem Personalausweis als Frau eingetragen, da es seit Herbst 2024 möglich ist, in Deutschland offiziell das Geschlecht zu ändern. Der Verweis auf die Grundrechtecharta zielt genau darauf ab, dass ihm im bekanntermaßen LGBTQ-feindlichen Ungarn eine unmenschliche, erniedrigende Strafe oder Behandlung droht. Nachdem die Angeklagte zu ihrem eigenen Schutz in Einzelhaft genommen worden war (man kann sich gar nicht vorstellen, was sie/ihn in einer Männerzelle erwartet hätte), wird nun beklagt, dass sie durch die große Einsamkeit psychisch geschädigt worden sei. Die Vizepräsidentin der Grünen, die ursprünglich evangelische Pastorin Eckhardt-Göring (mit diesem Namen?), kam nach Budapest, um sich von den Haftbedingungen von Maja zu überzeugen und ihr seelischen Trost zu spenden. Denn Maja ist ein Opfer…

Seit Monaten finden in Deutschland Demonstrationen statt, um Maja freizulassen, sie nach Deutschland auszuliefern (beides bedeutet dasselbe) und Druck auf die ungarische Justiz, Orbán und wen auch immer auszuüben.

Mit tatkräftiger Unterstützung der Presse ist es gelungen, den Terroristen Simeon zum Opferlamm zu machen, niemand spricht mehr über das Gewaltverbrechen selbst, sondern nur noch über die ungarischen Haftbedingungen, die angebliche Intoleranz der Behörden und den sog. Schauprozess.

Der um sein Kind besorgte Vater startete eine Petition, sammelte Unterschriften, ging von Tür zu Tür und wandte sich sogar an den Staatspräsidenten. Der Junge beging seine Tat als Junge, ein Mädchen, das sich in einen Jungen verwandelt hat, kann doch nicht schuldig sein, oder?

Der Fall Simeon Trux ist ein lehrreiches Beispiel für die Doppelmoral im Umgang mit politischer Gewalt und zeigt, wie sehr es der deutschen Politik und den Medien an Ausgewogenheit mangelt.

Wenn ein Linksextremist gewalttätige Handlungen begeht, wird er nicht verurteilt und aus der Gesellschaft verbannt, sondern idealisiert, seine Taten werden relativiert und sogar bejubelt.

Anstatt sich klar davon zu distanzieren, haben sich zahlreiche Politiker der Linkspartei, der Grünen und der SPD öffentlich für Simeon Trux eingesetzt und ihn zu einem legitimen Symbol des „Antifaschismus” erhoben. Sie sprachen von einem „Schauprozess”, forderten diplomatische Interventionen, schrieben Briefe an den Justizminister und organisierten Gefängnisbesuche. Ein Teil der Medien lieferte die begleitende Erzählung: Sie berichteten nicht objektiv, sondern veröffentlichten emotionale Verteidigungsreden. Parallel dazu fanden Solidaritätsaktionen statt, in deren Rahmen offen zu Gewalt gegen die Polizei und politische Gegner aufgerufen wurde. Niemand kritisiert ihre zu Gewalt aufrufenden Transparente – im Gegenteil: Sie fügen sich nahtlos ins Narrativ ein, das linke Gewalt als moralisch legitim darstellt.

Stellen wir uns einmal vor, die Täter hätten sich nicht als „Antifaschisten“, sondern als nationalkonservative Aktivisten verstanden! Wenn sie aus einem patriotischen oder identitätspolitischen Umfeld kämen. Wie hätte die Reaktion ausgesehen?

Anstelle von Solidaritätskampagnen hätte man sicherlich empört das Verbot der Partei und strengere Strafen gefordert und Talkshows über die „Gefahr der Rechten”, sowie Aufmärsche veranstaltet.

Die Diplomatie hätte geschwiegen, die Familie wäre als Nazi beschimpft worden: Wie konnten sie so ein Kind großziehen?

Ein funktionierender Rechtsstaat muss alle Täter nach dem gleichen Maßstab beurteilen, unabhängig davon, ob sie ihre Taten mit linken oder rechten Parolen rechtfertigen. Wenn dieser Maßstab nicht funktioniert, geht die moralische Autorität in der Gesellschaft verloren.

Wenn politische Gewalt mit zweierlei Maß gemessen wird, wird die Legitimität der Staatsgewalt erschüttert.

Simeon Trux ist nicht nur ein Einzelfall, sondern Symbol dafür, in welchem Maße ideologische Voreingenommenheit die Durchsetzung des Rechts untergräbt. Er ist Ausdruck einer politischen Kultur, die Gewalt auf der Grundlage politischer Überzeugungen bewertet.

Der Fall Simeon Trux verdeutlicht das Wesen der westlichen Demokratieauffassung. In diesem System werden konservative Akteure schon wegen zufällig geäußerter Worte kriminalisiert, während gewalttätige Straftäter der Linken frei schalten und walten können. Sie genießen die Unterstützung von Parlamentsabgeordneten, NGOs und der öffentlich-rechtlichen Medien.

Wer glaubt, dass man diesen Weg gehen kann, ohne das Vertrauen der Wähler zu verlieren, irrt sich gewaltig.

MAGYARUL: https://magyarhirlap.hu/velemeny/20260210-kettos-merce

Autorin, Dr. Irén Rab ist Kulturhistorikerin

Deutsche Übersetzung: Dr. Andrea Martin

Ein Kommentar

  1. “ … das linke Gewalt als moralisch legitim darstellt …“ macht mir als humanistischen, demokratischen Menschen große Sorgen.

    “ … gewalttätige Straftäter der Linken frei schalten und walten können … “
    Leider ist es genauso. Täter werden zum Opfer von gewissen Parteien, Pastorinnen und deutschen Medien gemacht und ein EU-Land verunglimpft. Schrecklich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert