16. Jänner 2026 exxpress.at von Bence Bauer
Die Wahlen zur Ungarischen Nationalversammlung werden am 12. April 2026 stattfinden. Staatspräsident Tamás Sulyok bestimmte an diesem Dienstag den Wahltermin. Damit wurde die heiße Phase des Wahlkampfes eingeläutet. Ministerpräsident Viktor Orbán (Fidesz) stellt sich der Wiederwahl, sein Herausforderer ist Péter Magyar (Tisza).
Parlamentswahlen in Ungarn finden laut ungarischem Grundgesetz immer im April oder Mai im vierten Jahr nach der letzten Wahl statt. Den genauen Termin legt der Staatspräsident fest. Es hat sich aber eingebürgert, einen möglichst frühen Termin anzuberaumen. So fanden die Wahlen des letzten Vierteljahrhunderts immer an einem möglichst frühen Apriltermin statt. Die seit der Wende gültige Legislaturperiode von vier Jahren wurde noch nie durch vorgezogene Wahlen abgekürzt, damit beweist Ungarn maximal mögliche politische Stabilität.
Der seit Mai 2010 regierende ungarische Ministerpräsident regiert das Land seit 16 Jahren ununterbrochen und ist damit der Dienstälteste im Europäischen Rat.
Bereits früher schon hatte er zwischen 1998 und 2002 eine Regierungszeit. Orbán ist seit der Gründung seiner Fidesz im März 1988 in der Politik – also seit 38 Jahren, wovon er 20 in der Exekutive als Regierungschef verbrachte. Er kann also damit trotz seines für Politikverhältnisse nicht besonders hohen Lebensalters von 62 Jahren eine Menge an Erfahrung sein Eigen nennen.
Der 44-jährige Herausforderer Péter Magyar von der Tisza-Partei ist hingegen ein Politiknewcomer, der bis 2024 als Fidesz-Mitglied der vierten Reihe politisch nicht in Erscheinung trat und selbst Insidern auch nur deshalb geläufig war, weil er als (damaliger) Ehemann der Justizministerin Judit Varga oftmals bei Fidesz-Veranstaltungen gesichtet wurde.
Regierung und Opposition gleichauf
Verschiedene Meinungsforschungsinstitute maßen einen Vorsprung für die Opposition, doch scheint dieser in den letzten Monaten verbraucht worden zu sein. Heute befinden sich Regierung und Opposition gleichauf. Die Tendenz der letzten Zeit zeigt aber klar, dass der Amtsinhaber mit besseren Chancen in das Rennen geht.
In diesem Sinne fand zur Einstimmung auf diesen dreimonatigen Wahlkampf der Parteitag von Fidesz am 10. Januar 2026 in Budapest statt. Es wurden die Direktkandidaten aller 106 Einzelwahlkreise präsentiert. Viele neue Kandidaten und erstaunlich viele Frauen kandidieren für die Regierungsparteien Fidesz und KDNP, die seit langer Zeit immer als Listenverbindung antreten.
Beachtenswert war, dass Viktor Orbán viele internationale Unterstützer für seinen Wahlkampf hat finden können.
So folgten Grußbotschaften von Giorgia Meloni, Alice Weidel, Marine Le Pen, Benjamin Netanjahu, Andrej Babiš, Aleksandar Vučić, Javier Milei, Matteo Salvini, Santiago Abascal, Mateusz Morawiecki und nicht zuletzt vom Mitgründungsvater der Patrioten für Europa, Herbert Kickl. Eine internationale Isolierung, wie Kritiker von Orbán immer vorbrachten, sieht wohl anders aus.
Der Wahlkampfslogan von Fidesz „Die sichere Wahl“ deutet darauf hin, dass in diesen unsicheren Zeiten die solide Regierungspartei Erfahrung, Loyalität und Stabilität anzubieten hat, alles Qualitäten, die auch von den Wählern geschätzt werden. Erinnerungen an den Wahlkampf von Konrad Adenauer 1957 mit dem Slogan „Keine Experimente“ werden wach, der der CDU atemberaubende und historisch uneinholbare 50,2% einbrachte. Mit diesem Ergebnis dürfte auch Viktor Orbán zufrieden sein. Es verspricht, spannend zu werden.