Ungarn hat am Mittwoch mit sofortiger Wirkung die Lieferungen von Dieselkraftstoffen an die Ukraine eingestellt. Ungarn reagiert damit auf die anhaltenden Erpressungsversuche von Präsident Wolodymyr Selenskyj, der seit Ende Januar kein russisches Öl mehr durch die Druschba-Trasse leiten lässt.
20. Februar 2026 Budapester Zeitung von Rainer Ackermann
Diese drastische Entscheidung gab Außenminister Péter Szijjártó nach der Regierungssitzung bekannt. Ungarn reagiert damit auf die anhaltenden Erpressungsversuche von Präsident Wolodymyr Selenskyj, der seit Ende Januar kein russisches Öl mehr durch die Druschba-Trasse leiten lässt. Szijjártó unterstrich Ungarns maßgebliche Rolle bei der Energieversorgung der Ukraine, darunter mit Gas und Elektroenergie. Bislang lehnte Budapest jedoch jede Vergeltungsmaßnahme ab, weil die schweren Folgen die ohnehin notleidende ukrainische Bevölkerung und nicht die Politiker in Kiew treffen würden.
Die nun gewissermaßen als reziproke Maßnahme verhängte Diesel-„Blockade“ scheint dessen ungeachtet logisch, da zuerst die Versorgung im Inland sichergestellt sein muss.
Solange die Ukrainer die Erdöllieferungen in Richtung Ungarn nicht wieder aufnehmen, werden auch die Dieselkraftstofflieferungen in die Ukraine nicht wieder aufgenommen.
Strategische Ölreserven angezapft
Unmittelbar vor der Bekanntgabe des Außenministers hatte Ministerpräsident Viktor Orbán via Sozialmedien offiziell bestätigt, dass Ungarn nach dem politisch gewollten Ausfall der Druschba-Trasse seine strategischen Ölreserven anzapfen muss. Die MOL-Gruppe hatte einen entsprechenden Antrag erst am Montag gestellt und angekündigt, alternative Rohöltransporte auf dem Seeweg zu organisieren. Während die strategische Reserve noch rund 95 Tage abdecken kann, könnte über die Adria-Trasse ungefähr in einem Monat, Mitte März, Nachschub für die Raffinerien der MOL-Gruppe in Százhalombatta und Bratislava angeliefert werden. Wie der ungarische Mineralölkonzern weiter mitteilte, habe man zunächst 500.000 t Rohöl bestellt. Zum Vergleich wurden im vergangenen Jahr via Druschba-Trasse ca. 4,9 Mio. t Öl gepumpt, zuzüglich 400.000 t, die aus Kroatien flossen.
Brüssel reagiert entspannt
Gemeinsam mit der Slowakei hat sich Ungarn zugleich an die EU-Kommission gewandt, um jene Notregelung zu aktivieren, wonach die beiden mitteleuropäischen Länder ohne eigenen Meereszugang in einer Krisenlage russisches Tanker-Öl beziehen dürfen. Solche Lieferungen sind ausdrücklich vom Sanktionsregime ausgenommen, wenn die Druschba-Trasse aus welchen Gründen auch immer als stabiler Versorgungsstrang ausfallen würde.
Die Bürokraten in Brüssel reagierten in einer ersten Stellungnahme entspannt wie gewohnt, denn aus ihrer Sicht bestehe noch keine Krisenlage.
Zagreb stellt Forderungen
Kroatiens Regierung mahnt die Ungarn angesichts der neuartigen Lage, der Sanktionspolitik der EU zu folgen und nun mit den russischen Energieimporten zu brechen. Zagreb interessiert dabei offenkundig nicht die in der EU bis heute geltende nationale Souveränität über den Energiemix. Die Behauptung, russische Tankerlieferungen würden US-Sanktionen unterliegen, wies Außenminister Szijjártó umgehend zurück: es bestehe eine Ausnahmeregelung für die MOL. US-Außenminister Marco Rubio hat bei seinem Besuch in Budapest Ministerpräsident Viktor Orbán versichert, dass Ungarn von den Sanktionen gegen russische Energieträger befreit bleibt.
Die Orbán-Regierung hatte in der Vergangenheit an der Seite der MOL immer wieder scharf kritisiert, die Kroaten würden die Adria-Trasse lieber heute als morgen in einer Monopolstellung sehen.
Dabei hatte die Janaf ihre Transitgebühren schon zuletzt auf ein Niveau verfünffacht, das laut MOL weit über den europäischen Standards liegen soll. Die EU-Kommission hat sich auch in diesem Streit nicht der ungarischen Position angeschlossen,
selbst wenn das im Interesse von Diversifizierungsbestrebungen geboten gewesen wäre.
„Dass die Ukraine die Öllieferungen nicht wieder aufnimmt, ist eine politische Entscheidung, die ihr Präsident persönlich getroffen hat. Wir bitten die Kroaten, in ihrer Kommunikation nicht verschiedene Dimensionen zu vermischen und sich so zu verhalten, wie das die EU-Normen verbindlich vorschreiben.“ – sagte der ungarische Aussenminister, Péter Szijjártó.
Quelle: Budapester Zeitung