Gibt es überhaupt einen gerechten Krieg?

20. Februar 2026 Magyar Hírlap von IRÉN RAB

Vor 81 Jahren, am 13. und 14. Februar 1945, in der Nacht vom Faschingsdienstag auf  Aschermittwoch, führten britische und amerikanische Bomber den größten Luftangriff des Zweiten Weltkriegs gegen die Stadt der deutschen Kultur, Dresden, durch.

Dresden hatte damals 630.000 Einwohner, aber zu dieser Zeit hielten sich mehr als eine Million Menschen dort auf. Flüchtlinge aus Schlesien, Pommern und Ostpreußen, Geflüchtete aus Berlin und dem Rheinland, evakuierte Kinder, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter. Auch verwundete und genesende Soldaten wurden in Dresden untergebracht.

Dresden galt als einzige sichere Stadt in Deutschland, denn es gab dort keine Rüstungsindustrie, sondern nur Bildung und Kultur. Sie blieb von Bombenangriffen verschont, weshalb auch ihre Luftabwehr nicht verstärkt wurde.

Diese schutzlose Stadt wurde zum Ziel der Terrorangriffe der Briten und Amerikaner in der letzten Phase des Krieges.

Die Stadt wurde am 13. und 14. Februar 1945 innerhalb von 14 Stunden dreimal mit Bomben traktiert. Die drei aufeinanderfolgenden Angriffe verliefen alle mit größter Präzision nach Plan. Der erste Angriff wurde spät abends von der britischen Luftwaffe geflogen. Brandbomben, Sprengbomben und Zeitzünderbomben fielen auf die schutzlosen Menschen, die in den Kellern der Wohnhäuser Zuflucht gesucht hatten. Der zweite Flächenbombardement erfolgte in der Nacht zwischen 1:30 und 1:50 Uhr. Die Bomben durchschlugen die Hauswände und explodierten erst im untersten Stockwerk, wo die Menschen in Todesangst kauerten. Nach dem zweiten Angriff verwandelte sich Dresden in ein einziges Flammenmeer, das Feuer saugte die Luft so stark an, dass sogar der Asphalt in Flammen stand. Der Feuersturm verschlang alles. Der dritte Angriff wurde am nächsten Tag zwischen 12:12 und 12:23 Uhr von amerikanischen Bomberstaffeln geflogen. Die tief fliegenden Flugzeuge beschossen alles, was sich noch bewegte.

Dresden brannte sieben Tage und acht Nächte lang. Die Stadt wurde bis auf die Grundmauern in Asche gelegt.

Nach relativ zuverlässigen Angaben der Dresdner Polizei wurden bis zum 20. März 1945 202.040 Tote unter den Trümmern gefunden, von denen jedoch nur etwa dreißig Prozent identifiziert werden konnten. Unter Berücksichtigung der Vermissten wurde die Zahl der Opfer auf 250.000 bis 300.000 geschätzt. Dresden war nie militärisches Ziel. Die Opfer waren unschuldige Frauen, Kinder, Alte, Verwundete und Menschen, die aus allen Teilen des Landes hierher geflohen waren, darunter auch Ungarn, die aus der Technischen Universität Budapest evakuiert worden waren.

Wenn diese Daten stimmen, dann starben in Dresden mehr Menschen als Japaner in den von Amerikanern zerstörten Hiroshima und Nagasaki zusammen.

Jahrzehnte später wurden diese Zahlen als stark übertrieben und als Propaganda nationalsozialistischer oder linksextremer (das Gleiche…) politischer Gruppen abqualifiziert. Im Jahr 2004 setzte die Stadt eine Historikerkommission ein, die auf der Grundlage von Archivmaterialien, Grabfunden und anderen Aufzeichnungen gründliche Untersuchungen durchführte. Demnach belief sich die Zahl der Opfer auf höchstens 25 Tausend. Wie viele Menschen bei den Bombenangriffen und dem anschließenden Großbrand tatsächlich ums Leben kamen, werden wir nie erfahren. Wir wissen jedoch genau, wie viele Kunstschätze und architektonische Wunderwerke durch die sinnlose Zerstörung vernichtet wurden und was aus der wunderschönen deutschen Stadt die einst als Florenz der Elbe bezeichnet wurde, geworden ist.

Dresden war Opfer politischer und militärischer Rache geworden. Durch die Zerstörung Dresdens wollte man die deutsche Kultur vernichten und Deutschland erneut in den Boden stampfen.

Denn der Ausgang des Zweiten Weltkriegs war eigentlich schon zwei Jahre zuvor, bei der Schlacht um Stalingrad, entschieden worden. Von da an war alles nur noch sinnlose Zerstörung. Als die britischen und amerikanischen Alliierten Dresden bombardierten, standen die westlichen Truppen an der Rheinfront und die sowjetischen Truppen bereits an der Oder und der Neiße. Churchill hatte wenige Tage zuvor auf der Konferenz von Jalta in seiner zynischen Art bemerkt, dass es bisher gelungen sei, sechs Millionen Deutsche zu vernichten, und dass diese Zahl bis zum Ende des Krieges um eine weitere Million erhöht werden könnte. Denn wenn allein die Industrie und die Infrastruktur zerstört würden, würden die Menschen sie wieder aufbauen. Das Ziel des Krieges müsse daher auch die Vernichtung der Menschen sein.

War die Bombardierung Dresdens gerechtfertigt? Wer war hier der Aggressor? Wer war das Opfer?

Gibt es überhaupt einen gerechten Krieg?

Dresden ist der Beweis dafür, dass es keinen gibt. Jeder Kampf, der als Verteidigung beginnt, mündet früher oder später in Angriff, Gewalt und Zerstörung, und die Bürger der Länder auf beiden Seiten des Krieges, die Zivilbevölkerung, werden Opfer des Gemetzels. Was genau und wie es passiert ist, wird immer von den Siegern beschrieben werden, und die Kriegsverbrecher kommen immer aus den Reihen der Verlierer.

Die deutsche Erinnerungskultur behandelt die brutale Zerstörung Dresdens nur am Rande. Es gibt keine nationale Gedenkfeier, nur lokale, wenn jemand möchte, kann er das veranstalten, denn man lebt ja in einer Demokratie. Die offizielle Haltung ist, dass das Gedenken eine Mahnung zur Bedeutung des Friedens beitragen und dass die Darstellung Dresdens als Opfer vermieden werden soll.

Nicht die feindliche transatlantische Kriegsführung ist für das Geschehene verantwortlich, sondern Deutschland, da es den Krieg begonnen hat.

Dies war nur eine Reaktion auf die Aktion. In den Schulen wird Dresden im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg und der Nazi-Diktatur unterrichtet. Es wird darauf geachtet, dass die Bombardierung nicht als „Leiden der Deutschen” gelehrt, sondern erklärt wird, dass das, was dort geschah, eine Folge des von Deutschland ausgelösten Krieges war. Damit sollte das kollektive Schuldbewusstsein der Deutschen vertieft werden. Die Opferrolle kommt nur auf individueller Ebene zum Tragen.

Kurt Vonnegut erlebte als amerikanischer Kriegsgefangener die Bombardierung Dresdens in einem unterirdischen Schlachthaus. Er sah die schreckliche Zerstörung mit eigenen Augen und schrieb darüber in seinem Roman „Slaughterhouse-Five“. Dadurch erfuhr ein Großteil der Welt, was die Alliierten den wehrlosen Einwohnern einer wehrlosen Stadt angetan hatten. Vonneguts Buch ist einer der wichtigsten Antikriegsromane des 20. Jahrhunderts. Es zeigt, dass es in einem Krieg keine wirklichen Sieger gibt – nur Überlebende und Opfer. Schade, dass Vonnegut heutzutage nur noch von wenigen gelesen wird.

Autorin, Dr. phil. Irén Rab ist Kulturhistorikerin

Deutsche Übersetzung von Dr. Andrea Martin

MAGYARUL: https://magyarhirlap.hu/velemeny/20260218-kollektiv-bun-kollektiv-aldozat

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