Tag der Unabhängigkeit: die Schlacht von Pressburg (Pozsony)

Peter Johann Nepomuk Geiger: Schlacht bei Pressburg (1850)

14. Juli 2022 Demokrata von ANDRÁS BENCSIK

Der 4. Juli. Unabhängigkeitstag. Er könnte sogar der wichtigste Nationalfeiertag sein. Hier in Ungarn. Der 4. Juli ist nicht nur der nordamerikanische Unabhängigkeitstag, obwohl die Welt dieses Ereignis heute als solches kennt, denn an diesem Tag erschien 1776 die Proklamation der Unabhängigkeit, in der die USA ihre Loslösung von Großbritannien erklärte.

Aber Jahrhunderte früher, am 4. Juli 907 geschah eine für uns, die Ungarn viel wichtigere Begebenheit, worüber wir bedrückend wenig wissen und davon noch weniger sprechen, obwohl, wenn irgendein Geschehnis, dann war es dieses, wodurch die wirkliche Unabhängigkeit Ungarns entstand.

Das war die Schlacht bei Preßburg, worüber wir kaum Berichte finden können,

und was wir finden, sind hauptsächlich in den westlichen Quellen enthalten, aber diese wenigen Informationen, die wir einzusammeln in der Lage sind, geben uns ein Bild von einer unwahrscheinlich großen militärischen Leistung. Nach Einschätzung der Historiker besiegte das 40-Tausend Mann starke ungarische Heer unter der Führung des Fürsten Árpád mit Hilfe genialer militärischer Manöver die gegen die Ungarn anstürmende vereinigte westeuropäische Streitmacht, deren Stärke auf Hunderttausend Mann geschätzt wird. Was das Ziel der Angreifer war, wird im „Annalium Boiarum“ festgehalten.

Danach befahl der ostfränkische König, Ludwig der IV. (das Kind), dass „ugros eliminandos esse” … übersetzt: „wir befehlen …, dass die Ungarn ausgerottet werden sollen.“

Das Ziel des riesigen Heeres, das durch die fränkischen und germanischen Herzöge, Grafen, Adligen und Bischöfe angeführt wurde und welches das damalige Europa vertrat, war also nicht allein den im Karpatenbecken und an seinen Randgebieten mit einer ihrer Meinung nach unverschämten Selbstsicherheit einrichtenden Ungarn eine Lektion zu erteilen, sondern nach Möglichkeit sie auszuradieren oder zumindest ihre Stärke endgültig zu brechen und sie dauerhafte zu unterwerfen. Deshalb organisierten sie ein Heer, das größer als notwendig war, denn nicht allein die Erlangung des Sieges war beabsichtigt, sondern auch der darauffolgende Rachefeldzug. Wenn sie Erfolg gehabt hätten, könnten wir heute höchstwahrscheinlich nicht von Ungarn sprechen.

Sie rechneten aber nicht mit der Genialität der ungarischen Heerführung und mit der das zeitgenössische Niveau der Kriegsführung übertreffenden ungarischen Kampffähigkeit.

Das Angriffsheer gelangte an beiden Ufern der Donau nach Preßburg, die Verpflegung, die schweren Waffen und die Ritter in gepanzerter Rüstung brachten nach den Aufzeichnungen mindestens hundert riesige Schiffe auf der Donau flussabwärts.

Diese ungeheure Armee hat das Heer von Árpád in einem bravourösen und heldenhaften Kampf vernichtet. Die Donau ist 250 Meter breit bei Preßburg, die Schiffsarmada musste also mit brennenden Pfeilen zerstört werden, während sie an beiden Ufern von einer riesigen westlichen Armee geschützt wurde. Es gelang trotzdem durch den Gebrauch der von den Ungarn benutzten Reflexbögen mit Rückschlagkraft die brennenden Pfeile in einer Masse auch aus dieser weiten Entfernung ins Ziel zu bringen, sodass sie durch die Besatzung der Schiffe nicht abgewehrt werden konnten.

Die Schiffsarmada wurde zugrunde gerichtet, die Angreifen verloren die Verbindung zueinander. Die Ungarn schlugen zunächst das Heer am Südufer vernichtend, dann durchschwammen sie in der Nacht, ohne sich auszuruhen, die Donau und überfielen in der Morgendämmerung das noch schlafende nördliche Heer.

Es war ein alles übertreffender Sieg. Das Deutsch-Römische Reich wagte erst 123 Jahre später, im Jahr 1030, Ungarn erneut anzugreifen, aber König Stephan der Heilige nahm in der Umgebung von Wien die Mehrzahl der Angreifer gefangen.

Wenn wir also behaupten, dass die Grundlagen des ungarischen Staatswesens vom König Stephan, dem Heiligen erschaffen wurden, dann verdanken wir aber das Verbleiben der ungarischen Nation im Karpatenbecken dem Fürsten Árpád. Und wenn es keine Nation gäbe, dann könnte sie auch keinen Staat haben, sodass der 4. Juli für die Ungarn der wichtigste Jahrestag ist. Es wäre an der Zeit, diesen Tag in die Reihe der Nationalfeiertage zu erheben. Und zwar an eine der vordersten Stellen, weil dieser Tag, dieser Sieg eine bis heute wirkende Kraft besitzt.   

Deutsche Übersetzung von Dr. Gábor Bayor

MAGYARUL: https://demokrata.hu/velemeny/a-fuggetlenseg-napja-2-552957/     

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