Öffentlich-rechtlich auf deutsche Art

24. Dezember, 2020 , Magyar Hírlap – von Irén Rab

Fast täglich informiert der Deutschlandfunk seine Hörer systematisch falsch. In der Sendung „Europa heute“ vom 22. Dezember berichteten sie über den großen Zusammenschluss der ungarischen Oppositionsparteien. Die Veröffentlichung dieser Nachricht wäre noch keine Fehlinformation, da DK, Jobbik, LMP, MSZP, Momentum und Dialog in der Tat angekündigt haben, dass sie 2022 mit gemeinsamen Kandidaten, einem gemeinsamen Ministerpräsidentkandidaten, einem gemeinsamen Programm und einer gemeinsamen Liste antreten werden.

Der Teufel steckt jedoch im Detail. Bereits mit dem Titel wird sofort manipuliert: „Jeder gegen Orban“, der Hörer horcht gleich auf und durch den Äther klingt das Hallelujah darüber, dass das ungarische Oppositionsabkommen unterzeichnet wurde! Da ist das wahre Weihnachtsgeschenk für die Gläubigen, die echten ungarischen Demokraten, die gestohlene Freiheit und der Wohlstand werden zurückgegeben werden.

Sie listen auch die Einzelheiten des Abkommens auf. Es klingt gut für das deutsche Ohr, dass sich die Grünen, Sozialisten, Liberalen, die Bürgerrechtspartei Momentum und die Jobbik (ohne Beiname) gegen Orbáns autoritäre Regierung zusammengetan haben. Schließlich haben die Deutschen so viel über den rechtspopulistischen, diktatorisch angefärbten ungarischen Ministerpräsidenten gehört! Sie verstehen überhaupt nicht, wie ertrotz ständiger Vorwürfe und Verurteilungen in Brüssel in seinem eigenen Land populär sein kann? Klar, wenn den Zuhörern ständig ins Ohr geflüstert wird, dass Orbán die Pressefreiheit stark einschränke, dann wird es verständlich: die Stimme der freien Medien, wie es in Deutschland üblich sei, erreiche nicht die ungarischen Wähler.

Im Vergleich dazu wird der (ein Prozent der Wähler repräsentierende) grüne Vertreter in einem privaten Sender namens ATV eingespielt, dessen Name ich nur entziffern kann, weil er an seinem doppelten Vornamen zu erkennen ist. „Herr Keretsch“ sagt uns, wie viel Verantwortung die Oppositionsparteien übernommen hätten, wenn sie alles, was im Abkommen enthalten ist, erfüllen wollten. Also, die Unabhängigkeit und die Pressefreiheit wieder herzustellen, die organisierte Korruption zu beenden und eine neue Verfassung zu erarbeiten. Sie wollen ein Programm, das das Land in die richtige Richtung lenken werde. Der sozialistische Präsident Bertalan Tóth (drei Prozent) spricht vom Vertrauen, das sich in den langen Verhandlungen zwischen den Parteien entwickelt habe, die sonst einen breiten Wertekanon repräsentieren.

Der deutsche Staatsbürger schnippt mit den Fingern, die beunruhigende ungarische Welt wird durch die Zusammenarbeit der Opposition zurechtgerückt, Ruhe und Ordnung werden wiederhergestellt, Orbán wird ersetzt, und die gefährliche Rechte wird aus dem ungarischen politischen Spektrum verschwinden. Er denkt nicht darüber nach, was die meisten Oppositionswähler hier zu Hause auch ständig aus ihrem Bewusstsein zu tilgen versuchen, mein Gott, was wollen uns diese Parteien aufs Auge drücken?

Der Redakteur geht nicht ins Detail. Er erwähnt nicht einmal den Vordenker, die Demokratischen Koalition, oder er könnte sie als Liberale bezeichnen. Er erwähnt auch nicht den Parteivorsitzenden, weil er absolut nicht in der Lage wäre, den Namen Gyurcsány richtig auszusprechen. Er sagt seinen Zuhörern nicht, oder vielleicht weiß er nicht, wie viel Unterstützung es für die „großen“ Oppositionsparteien in Ungarn gibt, dass die Hälfte der Parteien einzeln nicht einmal die parlamentarische Schwelle erreichen würde. Er sagt nicht, dass ihre Ziele unrealistisch sind, weil die Verfassungsänderung zwei Drittel im Parlament voraussetzt, dass die Gerichte dem Grundgesetz unterliegen und dass das Justizsystem in Ungarn unabhängiger ist als in Deutschland. Stattdessen versucht er, die jüngsten Verbrechen von Orbán-Fidesz, die Änderung des Wahlgesetzes, zu erklären. Der Arme versteht wirklich nicht, worum es geht, er kennt das Wahlsystem nicht, was an sich in Ordnung wäre, weil die meisten Ungarn es auch nicht verstehen. Aber warum spricht er dann darüber?

Abschließend werden mir die Umfragedaten von Median vorgelegt, dass der Zusammenschluss Fidesz bereits überholt hat. Ich weiß nicht, was zum Beispiel die Hundepartei davon hält, weil sie sie auch dazu gezählt wird.

Die deutschen öffentlich-rechtlichen Medien, die unabhängiger und unparteiischer Information verpflichtetet sein sollten, informieren ihre Zuhörer auf diese Art und Weise über die Zustände in Ungarn. Sie können kein Ungarisch, ihre Quelle ist immer die linksliberale Seite, die bezahlten Vorbeter und die nützlichen Idioten. Jetzt gerade eine Frau Balogh mit ihrem eigenen ungarischen Spektrum-Blog in den USA, sowie die authentischen Anführer zweier Mikroparteien. Sie wollen 2022 die Wahl mit Zweidrittelmehrheit gewinnen. Was ein ungarischer Staatsbürger oder die andere Seite darüber denkt und was die ungarischen öffentlichen Medien dazu sagen? Oh wozu denn?

Es ist, als würde Deutschland von Ungarn nur durch die Brille der AfD gesehen werden. Und natürlich würden wir tagtäglich auf die Regierung Merkel schimpfen, welche die Freiheiten gerade systematisch abbaut.

https://www.magyarhirlap.hu/velemeny/20201224-kozszolgalat-nemet-modra Übersetzung: Andrea Martin

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