Das größte koschere Flüchtlingsheim Europas am Balaton

11. August 2022 nach der Reportage von The Jerusalem Post

In einem Feriendorf in Westungarn, am Ufer des Plattensees haben etwa 500 ukrainische Juden, die im Zuge der russischen Invasion ihre Häuser, vom Krieg zerrüttetes Land verlassen mussten, einen Ort gefunden, den sie vorübergehend als jüdische Heimat bezeichnen können.

In Balatonőszöd, am Ufer des Plattensees, befindet sich das größte koschere Flüchtlingsheim in Europa. In dem 180.000 Quadratmeter (18 Hektar) großen Ferienort, etwa 130 km von der ungarischen Hauptstadt Budapest entfernt, sind 2.000 ukrainische Juden ein- und ausgegangen, um der tragischen Realität in der Ukraine zu entkommen.

Koscheres Essen, ein geeigneter Rahmen für die Glaubensausübung, Unterricht für die Kinder, Betreuung für Frauen und ältere Menschen und nicht zuletzt sorglose Tage für alle, die vom Krieg heimgesucht wurden.

Der Balaton wurde nur dank der harten Arbeit von Slomo Köves, dem Oberrabbiner des Verbandes der Ungarischen Jüdischen Gemeinden (EMIH), und Rabbi Meir Stambler, dem Vorsitzenden der Föderation der Jüdischen Gemeinden der Ukraine (FJCU), zu einem sicheren Zufluchtsort für jüdische Flüchtlinge.

Das Projekt der beiden Rabbiner begann nur wenige Tage nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine. Stambler rief Köves an und fragte ihn, ob er einen Ort finden könne, an dem er 1.000 ukrainische Juden für einen Pessach-Seder aufnehmen könne. „Als der Krieg begann, hatte ich das Gefühl, dass ich etwas tun musste, um zu helfen“, sagte Köves. Mit der tätigen Unterstützung der ungarischen Regierung wurde die heruntergekommene Feriensiedlung im Eiltempo renoviert und den Erwartungen der Chabad-Bewegung angepasst.

Das Hauptziel der Initiative war, den ukrainischen Juden, die aus dem osteuropäischen Land fliehen, einen Platz zum Leben zu geben. Die Organisatoren möchten später hier Juden, die sich von der Religion und den jüdischen Gemeinden entfremdet haben, in das Gemeindeleben einzubinden.

Ein fröhlicher Ort für jüdische ukrainische Flüchtlinge

Heutzutage ist der Balaton ein lebensfroher Ort. Wenn man durch den schönen Ferienort am See spaziert, sieht man nur Kinder und ihre Eltern, die den Sommer beim Schwimmen im See genießen. Jugendliche spielen Fußball und feiern jedes Tor, als ob es im Finale der Fußballweltmeisterschaft erzielt worden wäre.

Jüdische Betreuer, die aus der ganzen Welt kommen, helfen den Flüchtlingen, das Leben zu vergessen, das sie in der Ukraine zurücklassen mussten.

Es wurden auch Sommercamps für kleine Kinder eingerichtet, die am Balaton das volle Camp-Erlebnis genießen können. Aber am wichtigsten ist, dass die Kinder frischen Wind bekommen und ihre Jugend frei erleben können, anstatt sich mit der Verzweiflung ihres Landes und der Ungewissheit und Unsicherheit ihrer Familien auseinanderzusetzen.

Die Rückkehr der Familien  in ihre zerstörte Heimatstädte erscheint immer unwahrscheinlicher. Trotzdem ist bedauerlich, dass immer mehr Juden der Ukraine den Rücken kehren. Es wäre für sie eine Option die „Aliyah”(die Rückkehr von Juden als Einzelne oder Gruppen ins Land Israel), weil Israel die natürliche Heimstätte aller Juden weltweit ist.

Ein hoher finanzieller Aufwand

Das Feriendorf, das sich in ein jüdisches Flüchtlingslager verwandelt hat, ist ein schwerer finanzieller Ausgabe. Jeder Flüchtling kostet rund 40 Dollar pro Tag, um ihn zu ernähren und unterzubringen. Trotzdem werden unter der Aufsicht der Rabbiner Köves und Stambler weitere Renovierungsarbeiten durchgeführt und zusätzliche Wohneinheiten und Attraktionen geschaffen.

Eine seit langem verlassene Kegelbahn aus der Zeit des Kommunismus, die sich außerhalb der Cafeteria befindet, soll repariert und wieder in Betrieb genommen werden, damit die Flüchtlinge sie nutzen können. Jeden Tag kommen neue Wohneinheiten hinzu, die neu gestrichen und eingerichtet werden, um die Kapazität des Ferienheims zu erhöhen.

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Meir Stambler bedankte sich in einem Anfang Juli geschriebenen Brief an Viktor Orbán für die humanitäre Hilfe Ungarns:

„In Zeiten der Instabilität und Unsicherheit brauchen wir mehr denn je Freunde und gegenseitige Unterstützung. Leider haben wir in letzter Zeit erlebt, dass sich die unheilvolle Prophezeiung der Bibel erfüllt hat: ‚Am Morgen sagst du: Wäre es doch schon Abend! Und am Abend sagst du: Wäre es doch schon Morgen!‘ In Europa tobt ein schrecklicher und blutiger Krieg. Millionen von Menschen sind gezwungen, ihre Heimat zu verlassen, in der Hoffnung, eine sicherere Zukunft zu finden.

Deshalb halten wir es für sehr wichtig, dass Ungarn von den ersten Momenten der Krise an mit gutem Beispiel vorangegangen ist und bedürftigen Ukrainern, darunter auch Mitgliedern der jüdischen Gemeinschaft, geholfen hat.“

Die originale Reportage erschien in The Jerusalem Post: https://www.jpost.com/diaspora/article-71381

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