Der Allmächtige ergießt seine erleuchtende Gnade vierzig Tage vor jeder Wahl über Ungarn

18. März 2026 Mandiner von Mátyás Kohán

Der Herrgott achtet vor jeder Parlamentswahl besonders auf Ungarn. Anders ist es nicht zu erklären, was in diesem Land vor jeder Wahl geschieht. Wir danken dem Allmächtigen für seine erleuchtende Gnade, die er uns alle vier Jahre in Fülle zukommen lässt.

Am 24. Februar 2022, 40 Tage vor den ungarischen Parlamentswahlen brach der russisch-ukrainische Krieg aus. Die damalige Opposition fing an, die Wähler auf der Westen-Putin-Achse zu suchen und der erste fatale Irrtum war dabei, damit zu kalkulieren, dass den ungarischen Wähler in Anbetracht des Krieges in der Nachbarschaft interessiert wird, wer denn Recht hat. (Das interessierte ihn aber nicht.)

Als zweiten fatalen Irrtum machte der Anführer der damaligen Opposition es völlig eindeutig, dass er anstatt den ungarischen Interessen eine Politik der vollkommenen Unterwerfung vor dem Westen verfolgen will:wenn die NATO so entscheidet, dann auch Soldaten.“ Dieser halbe Satz enthielt alles, weshalb die Ungarn keinen Ministerpräsidenten aus Péter Márki-Zay gemacht haben.

Ende Februar 2026, 40 Tage vor den ungarischen Parlamentswahlen verlor die ukrainische Führung die Kontrolle.

Aus politischer Sicht zeigte der unreformierte Schurkenstaat, der auf die Aufnahme in die Europäische Union drängt, in einem schlicht unfassbaren Ausmaß sein wahres Gesicht, als er in der Frage der Wiederinbetriebnahme der Druschba-Ölpipeline über Wochen hinweg einen seiner wichtigsten Energiepartner, nämlich Ungarn, das in den vergangenen Monaten – man denke etwa an die kommentarlos gewährte 90-Milliarden-Euro-Anleihe – ausdrücklich fair und konstruktiv mit ihm umgegangen war, dreist anlog.

Als sie dann durch das Stoppen des 90-Milliarden-Kredits in eine viel größere Ohrfeige hineinlief, als die, die sie hinterhältig austeilen wollte, begann sie anzugreifen wie eine in die Ecke getriebene Schlange.

Dazu gehörten die öffentliche politische Ankündigung, die Öllieferungen unter Verletzung des Völkerrechts einzustellen, die Drohung gegenüber Soldaten mit offener Aggression, Spekulationen über einen Sieg der Tisza-Partei – und schließlich die tödliche Bedrohung des Ministerpräsidenten.

Erst bei Letzterem schalteten sich die Institutionen der Europäischen Union ein, darunter auch eine ihrer ungarischen Institutionen, Péter Magyar, und meinten, so gehe das nicht – und sie veröffentlichten ihre halbherzigen, heuchlerischen Verurteilungserklärungen ohne jede Schärfe oder Konsequenz.

Die ungarischen Wahlen finden immer nach der Fastenzeit statt, die 40 Tage der Kampagne bringen wahre fastenzeitliche Erleuchtungen; vor vier Jahren in Bezug auf den Krieg, jetzt auf die Ukraine. In dieser Zeit öffnen in Ungarn hunderttausende in Massen ihre Augen für die tatsächlich wichtigen Dinge. Diese Erleuchtung manifestiert sich dann im Wahlergebnis.

In dem Moment, in dem die Gefahren des bequemen Mitschwimmens mit dem europäischen Mainstream deutlich werden und die politische Seite, die mit dem Versprechen einer Rückkehr zum europäischen Mainstream in der Hochburg der europäischen Opposition Wahlkampf macht, büßt hart dafür. Es gibt keinen Menschen, der glaubt, dass die Tisza-Partei keine 180 Grad Wende bei der heutigen ungarischen Ukrainepolitik hinlegen würde, die Blockierung der ukrainischen Fieberträume eines EU-Beitritts nicht aufgeben würde, beziehungsweise das Herausbleiben aus der Aufrüstung und Finanzierung der Ukraine. Péter Magyar kann lügen, über was er will, wenn Wolodymyr Selenskyj und Friedrich Merz statt ihm die Wahrheit sprechen.

Wenn die EU so entscheidet, dass auch die Mitgliedschaft.

Und wenn sie kommen, wird es die auch geben. Lauter gute Menschen lassen einen Schurkenstaat, der Politik im Stil eines Wegelagerers betreibt, in die Europäische Union hinein, und ihre von einem Tränenschleier verhüllten Augen sehen in ihm nichts weiter als das heroische Opfer einer militärischen Aggression.

Die Ukraine kann man aber nicht ohne seine Komplexität interpretieren. Bei Venezuela und dem Iran läuft es doch so gut, dann soll es bei der Ukraine auch so laufen:

Die Ukraine ist Opfer einer schändlichen russischen Militäraggression, ein Land, das viel gelitten hat, die Heimat eines heldenhaften Volkes, ein wichtiges Land Europas – und ein letzter, unzuverlässiger, aggressiver, selbst- und gemeingefährlicher Schurkenstaat.

All dies ist gleichzeitig wahr und nur unter Berücksichtigung all dieser Aspekte kann eine sinnvolle Ukraine-Politik betrieben werden. Wer nur Letzteres sieht, ist herzlos; wer nur das Erstere, ist dumm. Man darf weder eine herzlose, noch eine dumme Ukrainepolitik führen.

Ersteres droht nirgendwo in Europa, Letzteres – als Mainstream-Politik der Union – schon.

Wir tun Europa einen großen Gefallen damit, dass wir nicht zulassen, dass es sein Schicksal auf so dumme Weise an die Ukraine kettet.

Das ist jene elementare, komplexe und schmerzhafte Wahrheit, die in diesen Tagen der aus der Fassung geratene Präsident Selenskyj und seine aus der Rolle gefallene Entourage allen verständlich machen.

Wir danken dem Allmächtigen für seine erleuchtende Gnade, die er uns alle vier Jahre in Fülle zukommen lässt.

Autor, Mátyás Kohán ist Journalist bei Mandiner

Deutsche Übersetzung: Csenge Horváth

Quelle: https://mandiner.hu/kulfold/2026/03/megvilagosito-kegyelmet-minden-valasztas-elott-negyven-nappal-magyarorszagra-arasztja-a-mindenhato

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