Jüdisches Viertel Budapest

Die 160 Jahre alte große Synagoge in der Dohány Straße, Budapest. Foto: Wikipedia

23. August 2021 von PETER ALTHAUS in Wild-East-Blog

Ein jüdisches Viertel Budapest gibt es so heute eigentlich nicht mehr. Denn die Mehrheit der ungarischen Juden lebt zwar in Budapest, ist aber über die Stadt verteilt. Dennoch gilt als jüdisches Viertel Budapest vor allem der VII. Bezirk, der auch Elisabethstadt (ungarisch: Erzsébetváros) genannt wird. Benannt ist er nach der Kaiserin von Österreich-Ungarn, die ihr vermutlich vor allem aus dem Film unter dem Namen Sissi kennt. Der Bezirk gilt heute als eines der hippsten Viertel von Budapest. Er liegt in Fußweite der wichtigsten Sehenswürdigkeiten und es gibt viele Szenekneipen hier. Bis zum Holocaust war der Stadtteil aber fast ausschließlich von Juden bewohnt.

Juden in Budapest – Einst einer der größten Gemeinden der Welt

Die Wichtigkeit der jüdischen Gemeinde in Budapest und Ungarn kann man bis heute sehen. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten laut Volkszählungen rund 800.000 Juden in den ungarischen Gebieten. Der wohl bekannteste ungarische Jude war Theodor Herzl, der Vater des Zionismus. Er wurde in Budapest geboren, gleich in der Nähe der Großen Synagoge. Heute erinnert eine Gedenktafel an ihn. Die Elisabethstadt, welche erst seit wenigen Jahren als jüdisches Viertel Budapest bezeichnet wird, war schon seit Jahrhunderten Zentrum des Budapester Judentums. Davon zeugen nicht nur die zahlreichen Synagogen, Jeshiwen (jüdische Schulen) und frühere Krankenhäuser. Im benachbarten VIII. Bezirk liegt auch das älteste noch bestehende Rabbinerseminar der Welt.

Budapests jüdisches Viertel im Holocaust

In den dunklen Zeiten für die europäischen Juden war Budapest genauso betroffen. Während der Shoah diente das Jüdische Viertel Budapest als Ghetto in dem 200.000 Menschen eingepfercht wurden. Die mit den Deutschen verbündeten Pfeilkreuzler, die Ungarn terrorisierten, schleppten auch nach dem Abzug Adolf Eichmanns tausende Juden an die Ufer der Donau, zwangen diese sich auszuziehen und stießen sie in den Fluss. Besonders durch ausländische Hilfe konnten jedoch vermutlich Dreiviertel der Juden von Budapest den Holocaust überleben – weit mehr als beispielsweise im damaligen polnischen Lemberg.

Gerechte unter den Völkern in Budapest

Budapest war auch ein Ort von Lichtblicken. Hier half der schwedische Diplomat Raoul Wallenberg vielen Juden und brachte sie in Schutzhäusern unter. Er wird unter anderem in der Gedenkstätte Yad Vashem als Gerechter unter den Völkern geehrt. Auch die Schweizer Friedrich Born und Carl Lutz halfen tausenden Juden, sind aber weit weniger bekannt, wie auch der deutsche Diplomat Gerhart Feine. Und auch insgesamt lassen sich bis heute viele jüdische Spuren in Budapest finden. Von den Restaurants und Läden mit hebräischen Schildern einmal abgesehen, wirken viele der Hinterhöfe des jüdischen Viertels in Budapest bis heute wie aus der Jahrhundertwende, als hier noch mehrheitlich Juden in den Wohnungen lebten.

Synagogen in Budapest – Liberale, Orthodoxe – alle haben ein Heim

Doch neben der beeindruckenden Großen Synagoge gibt es auch noch andere kleinere Synagogen im jüdischen Viertel von Budapest. Gleich in der Nähe haben auch die orthodoxen Juden von Budapest ihr religiöses Zuhause. Die orthodoxe Synagoge Budapests in der Kazinczy utca ist ebenfalls für Besucher geöffnet, genau auch wie die Rumbach-Synagoge und die Synagoge in der Vasvari Pal utca. Doch das ist bei weitem nicht alles, denn Budapest hat noch wesentlich mehr Synagogen, von denen heute viele jedoch anders genutzt werden. Manche sind Kirchen geworden, andere sind Sporthallen. Für alle Interessierten, gibt es hier eine vollständige Liste jüdischer Einrichtungen in Budapest und Ungarn.

Ruinen-Pubs, Biergärten und Restaurants im Jüdischen Viertel von Budapest

Doch die Faszination für das jüdische Viertel in Budapest hört nicht bei den rein jüdischen Einrichtungen auf. Denn das Viertel ist heute eine der angesagtesten Ausgehmeilen Budapests. Entlang der Kazinczy utca finden sich Dutzende Pubs. Darunter auch das Szimpla, Budapests bekanntestes Ruinenpub. Doch auch andere Pubs oder Biergärten wie das Ellato kert oder das 400 sind zu empfehlen – dieses Ende der Straße bezeichnen manche auch als das Budapester Bermuda-Dreieck. Und in der Tat, auch ich wäre hier fast verschwunden.

Quelle: https://wildeast.blog/juedisches-viertel-budapest/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.